Ballon d’Or Franck Ribéry nicht Weltfußballer

Die Stunde der Spin-Doktoren

Franck Ribéry ist nicht Weltfußballer des Jahres 2013 geworden. Obwohl der Franzose mit dem FC Bayern in den vergangenen zwölf Monaten fünf Titel gewann, landeten beim Ballon d’Or gleich zwei Spieler vor ihm. Nun schlägt die Stunde der Spin-Doktoren, die – wie das nach Wahlen eben so üblich ist – eine Niederlage in einen Sieg umdeuten.

kicker-Chefredakteur Jean-Julien Beer etwa wertet die Vergabe der Auszeichnung als »Trostpflaster« für Cristiano Ronaldo und in einem Kommentar auf gmx.de heißt es gar, die Enttäuschung für Ribéry sei ein Glück für den FC Bayern München, weil der der Franzose nun mit noch größerem Ehrgeiz an die Verteidigung des Champions-League-Titels und den Gewinn der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft gehen werde.

Nur: Wenn das Verpassen von Titeln Ansporn ist für den Gewinn von Titeln, dann müsste sich der FC Bayern München ja theoretisch hüten, als erste Mannschaft überhaupt die Champions League zweimal in Folge zu gewinnen, weil den Nationalspielern dann die Motivation für den Gewinn des nächsten großen Titels – dem in Brasilien nämlich – fehlen würde. Und wenn Franck Ribéry tatsächlich noch einmal Champions-League-Sieger und anschließend auch noch Weltmeister werden sollte, wäre er dieser Logik folgend ja in der zweiten Jahreshälfte so zufrieden und satt, dass seine Leistungen womöglich erneut nicht ausreichen, um zum vermeintlich besten Fußballer der Welt gekürt zu werden.

Ob Ribéry also angestachelt reagiert oder frustriert, ob er sich noch einmal steigern kann oder ob er nun vielleicht doch in ein Loch fällt, ist also letztlich reine Kaffeesatzleserei. Außerdem zeigt die Wahl von Cristiano Ronaldo ja just, dass es beim Ballon d’Or eben nicht rein nach gewonnenen Titeln geht.

Wenig überraschend war, dass UEFA-Chef Michel Platini seinem Landsmann Ribéry zur Seite gesprungen ist und die Wahl beim Ballon d’Or kritisierte. Erstens pflegt Platini seit geraumer Zeit eine gewisse Fehde mit FIFA-Präsident Joseph Blatter, zweitens ist Platini wie Ribéry Franzose. Ein gewisser Chauvinismus darf an dieser Stelle wohl getrost unterstellt werden.

Auch die Reaktionen beim FC Bayern München waren vorauszusehen. Erst ritt Vereinspräsident Uli Hoeneß wie üblich seine Attacken, dann gaben sich der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer weltmännisch, gratulierten Ronaldo und priesen Ribéry zugleich als den für sie persönlich Besten seiner Zunft. Es war die gewohnte mediale Arbeitsteilung beim deutschen Rekordmeister.

Die Ironie daran ist freilich, dass Uli Hoeneß nun zwar behaupten kann, Recht behalten zu haben, er Ribéry aber zugleich womöglich einen riesigen Bärendienst erwiesen hat. Denn ohne die ewigen Verschwörungstheorien des Bayern-Präsidenten hätte manch einer beim Ballon d’Or vielleicht anders abgestimmt.

Ein Widerspruch ist es außerdem, Franck Ribéry eine Auszeichnung zu wünschen, von der man andererseits andeutet, dass es sich um eine abgekartete Sache handelt. In diesem Sinne also: Wenn du mal geschwiegen hättest, Ulrich!

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3 Antworten auf Ballon d’Or Franck Ribéry nicht Weltfußballer

  1. Die Entscheidung ist ja einigermaßen knapp ausgegangen und in Summe hatten Ronaldo und Ribery fast diesselben Ergebnisse im Jahr 2013. Beide haben Spitzenleistungen gezeigt und egal wär gewonnen hätte, wären Leute gekommen um zu sagen da stimmte was nicht.

    Den Bärendienst der erwiesen wurde sehe ich genauso aber ob es wirklich abgekartet ist? Ich denke nicht aber auch wenn könnte man das in Hoeneß´Position nicht so sagen…

    Obwohl ich ein großer Freund von Messi bin finde ich seine Bewertung übrigens übertrieben. Mit den vielen Verletzungen wurden anscheinend hier nur Sympathiepunkte und keine Leistungen belohnt.

    • Mario Nowak sagt:

      Ich finde sowieso, Fußball ist ein Mannschaftssport, bei dem man nicht den einen “Besten” küren sollte – zumal es obendrein immer nur Offensivspieler sind, die am Ende ausgezeichnet werden. Für mich ist entsprechend die einzig interessante Wahl die der Welt-Elf.

      Was nun Hoeneß angeht, hat er ja, wie das bei Verschwörungstheorien so üblich ist, nie Ross und Reiter genannt. Und zur Gala hingefahren sind die Bayern auch mit Mann und Maus. Sofern man über irgendwelches “Wissen” verfügt, ist das also ein recht inkonsequentes Verhalten.

      Wenn sich der Präsident des aktuellen Triple-Siegers so äußert, wie Hoeneß das getan hat, wird das im Fußball sicherlich international registriert, und ich kann mir vorstellen, dass seine Anschuldigungent wenigstens so manchen Unentschlossenen dazu bewogen haben, gegen Ribéry zu stimmen.

    • Mario Nowak sagt:

      Nachklapp: Gegen Ribéry läuft immer noch ein Verfahren wegen des Umgangs mit einer minderjährigen Prostituierten. Auch das mag manchen dazu bewogen haben, nicht für ihn abzustimmen.

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