Beteiligung an Kosten für Polizeieinsätze: Vorerst keine Länderspiele in Bremen

Bremisches Eigentor

Das Bundesland Bremen will den Fußball künftig an den Kosten für die Einsätze der Polizei beteiligen. Eine tolle Idee, finde ich – wenn künftig auf RTL, Pro7 und Konsorten auf die selbe Weise zur Kasse gebeten werden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe Bremen. Bremen ist eine tolle Stadt und immer eine Reise wert. Ich habe einige wunderschöne Jahre in der Nähe von Bremen gelebt und gelegentlich immer noch Heimweh nach der Gegend und den so durch und durch hanseatischen Menschen dort.

Aber mal ehrlich: Was hat Bremen an bundesweit bekannten Aushängeschildern zu bieten? Außer den Bremer Stadtmusikanten doch wohl nur seinen Bundesligisten Werder mit dem Weserstadion. Ja, das ist ungerecht dem Überseemuseum, dem Schnoor, dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie oder dem Olbers-Planetarium gegenüber. Trotzdem beißt die Maus da keinen Faden ab: Spätestens südlich von Nienburg ist Bremen synonym mit Werder.

Just dieses Aushängeschild will die Bremer Landesregierung nun zur Kasse bitten und an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligen – mit dem Ergebnis, dass der DFB das Länderspiel gegen Gibraltar nach Nürnberg verlegt hat. Statt kolportierter 600.000 Euro Einnahmen bleibt dem chronisch klammen Bundesland nun allenfalls heißer Sand für Eieruhren. So findig die bremischen Hanseaten auch sonst sein mögen – das war ein klassisches Eigentor.

Ich beneide Polizisten dabei grundsätzlich nicht um ihren Job. Und um es mal ganz klar zu sagen: Schmähplakate gegen die Polizei nach einem Hubschrauberabsturz gehen gar nicht, das ist roh und geschmacklos. Und zu gewalttätigen Übergriffen auf Rettungskräfte wie Feuerwehr, Notarzt oder Sanitäter fällt mir gleich gar nichts mehr ein. Das sind Leute, die helfen wollen (und müssen). Ich weiß nicht, wie hirnbefreit man sein muss, diese Menschen in ihrer Arbeit zu behindern.

Auch Einsätze in Fußballstadien sind für Polizisten sicherlich kein Zuckerschlecken. Aber dass es nun ausgerechnet bei einem Spiel der Nationalmannschaft – noch dazu gegen Gibraltar – zu Ausschreitungen kommen könnte, halte ich doch für eher unwahrscheinlich. Länderspielpublikum, das hat nicht zuletzt die WM wieder gezeigt, ist in der Regel braves Familienklientel. Schon allein deshalb wirkt der Bremer Vorstoß unausgegoren.

Zudem stellt sich die Frage, wo die Grenze gezogen werden soll. Auf dem Bremer Freimarkt kommt es Tag für Tag zu Zwischenfällen. Der Besuch dort ist also streng genommen viel gefährlicher als der eines jeden Bundesligaspiels. Trotzdem käme das Land Bremen wohl kaum auf die Idee, für den Freimarkt offen eine Sonderabgabe für Polizeieinsätze zu verlangen.

Überhaupt sind polizeiliche Aufgaben hoheitliche Aufgaben des Landes und des Bunds. Eine Beteiligung von Verbänden wie dem DFB oder Organisationen wie der DFL an den Kosten könnte erstens rechtlich unzulässig sein – schließlich zahlt der DFB ebenso wie jeder Bundesligist schon Steuern, aus denen auch die Polizei finanziert wird – und zweitens einen ersten, höchst bedenklichen Schritt hin zu einer Quasi-Privatisierung der Polizei darstellen. Kommt Bremen mit seinem Vorstoß durch und macht er Schule, dann gibt es Länderspiele vielleicht künftig bevorzugt in Hoffenheim, Wolfsburg oder Leipzig – überall dort also, wo ein finanzstarker Mäzen oder Konzern hinter dem Verein steht, die zusätzlichen Kosten trägt und dies zu Werbezwecken nutzt.

Obendrein könnten private Firmen recht schnell auf den Trichter kommen, den Spieß umzudrehen. Wo der gewerbliche Sicherheitsdienst teurer käme als die Beteiligung an den Kosten eines Polizeieinsatzes, könnten sie für jede Veranstaltung, zu der potenziell mehr als 3.000 Besucher kommen könnten und auf der es zu Ausschreitungen kommen könnte, die Polizei anfordern.

Andererseits gefällt mir der Gedanke, dass Bremen seinen Vorstoß konsequent und damit gerecht durchzieht. Das würde nämlich beispielsweise bedeuten, dass sich auch Sender wie RTL und Pro7 an den Kosten beteiligen müssten, wenn sie mit ihrem jeweiligen Castingshow-Zirkus in der Hansestadt Station machen wollen. Man stelle sich das mal vor! Für jeden Kreislaufkollaps beim Kreischalarm, für jedes erlittene Trauma durch Demütigung, für jeden Zoff, jede Beeinträchtigung des öffentlichen Lebens, jede Ruhestörung eine Rechnung – herrlich!

Bremen wäre vermutlich in Windeseile von dieser ganzen Casting-Gülle (samt der jeweiligen prominenten Jury-Gülleschleudern) befreit. Die Lebensqualität in der Stadt würde sprunghaft ansteigen. Ich zumindest würde Bremen dann noch mehr lieben.

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Eine Antwort auf Beteiligung an Kosten für Polizeieinsätze: Vorerst keine Länderspiele in Bremen

  1. Schöner Artikel, den du geschrieben hast. Ich denke, dass man eine Lösung finden sollte, denn das Weserstadion gehört einfach in die Planung des DFB und der DFL. Auch wenn ich Berliner bin, so finde ich es nicht richtig, wie man sich auf beiden Seiten verhält.

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