BVB überzeugt in der Champions League

Die Methode Klopp

Ich gehöre ja normalerweise nicht zu den Leuten, die sagen, sie haben’s ja gleich gesagt – aber ich habe es ja gleich gesagt. Vor knapp einem Jahr, als der deutsche Meister aus Dortmund noch ein »Fußballschädling« war, habe ich dafür plädiert, die Kirche mal im Dorf zu lassen. »Beim BVB wird man es machen wie bisher auch: die Lehren aus dem frühzeitigen Aus in der Champions League ziehen und gestärkt daraus hervorgehen«, schrieb ich damals.

Wenn Jürgen Klopp mal keine Lust hat, eine Frage zu beantworten, dann sagt er bevorzugt Sachen wie: »Da hab’ ich gar nicht drauf geachtet« oder »Ist mit vorher gar nicht aufgefallen«. Dabei schlägt er die Augen nieder, sein Kiefer mahlt und Klopp verzieht den Mund, als wolle er den Windschutz vom Mikrofon mit den unteren Schneidezähnen abschälen. Und dann erzählt er im Zweifelsfall irgendwas, das mit der ursprünglichen Frage wenig bis gar nichts zu tun hat.

Vor der aktuellen Spielzeit konnte man diese Klopp’sche Praxis der aktiven Interviewgestaltung anhand der Champions League exemplarisch beobachten. Gefragt, ob ein besseres Abschneiden in der Königsklasse für den BVB nach der zweiten deutschen Meisterschaft in Folge nicht der nächste, logische Verbesserungsschritt sein müsse, erwiderte Klopp lapidar, ach, das interessiere ihn eigentlich alles nicht so.

Die Ernsthaftigkeit dieser Aussage kann man spätestens rückblickend getrost bezweifeln. Dortmund hat in der Champions League bislang absolut überzeugt und schickt sich an, mindestens einen ganz hochkarätigen Konkurrenten aus der »Todesgruppe« schon nach der Gruppenphase aus dem Weg zu räumen – und das ist gewiss kein Zufall. José Mourinho lobte die Borussia bereits als Anwärter auf den Titel. Das dürfte zwar wenigstens teilweise als Spitze gegen den ungeliebten Erzrivalen aus Barcelona zu werten sein – und der hat ja jetzt obendrein in seiner viel leichteren Gruppe gegen Celtic Glasgow verloren, haw-haw -, aber die Tatsache bleibt, dass Dortmund gegenüber vergangener Saison einen weiteren, gewaltigen Entwicklungsschritt gemacht hat.

Acht Punkte aus vier Partien sind für sich genommen schon aller Ehren wert. Bedenkt man obendrein, dass die Spiele in Manchester und in Madrid erst durch die jeweils letzte Aktion nur unentschieden endeten – einmal wegen eines Elfmeters, den man nicht geben muss, und einmal aufgrund einer Mischung aus Präzision beim Freistoß und unorthodoxem Paradeversuch mittels Spreizschritt -, dann könnte der BVB in seiner Meistergruppe jetzt auch mit der Maximalpunktzahl uneinholbar führen.

Fester Bestandteil dieser international so dominierend auftretenden Mannschaft ist auch Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Den wiederum halten einige für nicht nationalmannschaftstauglich. Irgendwie ist das schon (aber)witzig: Letztes Jahr hieß es noch, Dortmund glänze nur national, versage aber auf europäischer Ebene. Dieses Jahr heißt es, der BVB glänze zwar international, hinke aber in der Meisterschaft der Musik hinterher (dabei steht er aktuell auf Platz 4 und hat mit Eintracht Frankfurt einen Aufsteiger unmittelbar vor sich). Und wenn man schon bei der Mannschaft kein Haar in der Suppe findet, krittelt man eben an einzelnen Spielern herum.

Machen wir uns mal nichts vor: Das Thema Meisterschaft ist diese Saison durch. Da können die Medien noch so sehr einen auf Spannung machen, falls Bayern doch mal Punkte lässt oder verliert, und/oder falls Dortmund am 15. Spieltag das direkte Duell in München gewinnt – der Titel geht an den Rekordmeister. Da lege ich mich fest. Aber gebt Borussia Dortmund mal noch ein Jahr, dann ist die Mannschaft mit einiger Wahrscheinlichkeit so weit, in zwei Wettbewerben vorn mitzumischen.

Jürgen Klopp hat also keinen Grund, seine Arbeitsweise zu ändern. Offensichtlich hat er die Fähigkeit, Schwächen seiner Mannschaft ganz gezielt zu analysieren und dann rasch abzustellen. Derweil tut er den Medien gegenüber oft so, als könne er kein Wässerchen trüben und erzählt ihnen im Zweifelsfall was vom Pferd. Warum auch nicht, wenn’s doch funktioniert?

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