Der Maulwurf des FC Bayern München exklusiv im Interview

Ein Sternmull packt aus

Über ihn geredet wurde viel, doch er selbst hat stets geschwiegen. Erst jetzt, nach wochenlangen Verhandlungen, hat er einem vertraulichen Gespräch zugestimmt. Der Maulwurf des FC Bayern will auspacken. Wir treffen uns in der Untertagebar in Herten, aus der sonst der Sportschau-Club gesendet wird. Mein Gesprächspartner will jederzeit problemlos verschwinden können.

Flankengötter Fußballblog: Sie haben die Öffentlichkeit während der Winterpause konstant mit Insider-Informationen über den FC Bayern München gefüttert, aber Ihre Identität nie preisgegeben …

Der Maulwurf: Das soll ja auch so bleiben.

Flankengötter Fußballblog: Trotzdem – woher dieser plötzliche Sinneswandel? Warum treten Sie nun doch selbst in Erscheinung?

Der Maulwurf: Ist das nicht offensichtlich?

Flankengötter Fußballblog: Äh … nein.

Der Maulwurf: Ich bin kein Maulwurf. Ich bin ein Sternmull. Das ist ein Unterschied. Ich hab’ denen bei der BILD und bei sport1 zig mal gesagt, ich bin ein Sternmull. Die haben trotzdem immer weiter vom ‘Maulwurf’ geschrieben. Das ist rassistisch.

Flankengötter Fußballblog: Ich habe mich schon gewundert, woher Ihr amerikanischer Akzent kommt.

Der Maulwurf: Ich gehöre eben zu den Neuweltmaulwürfen.

Flankengötter Fußballblog: Und wieso interessiert sich ein Sternmull aus der Neuen Welt nicht eher für Basketball, Baseball oder American Football?

Der Maulwurf: Ich habe einen Vetter in Mexiko. Manni. Der liebt Fußball. So fing alles an. Leider hat Manni sich da in was verwickeln lassen … hat Chuck Blazer einen unterirdischen Geldspeicher für sein Schmiergeld gebuddelt und das FBI hat ihn drangekriegt. Unschöne Geschichte.

Flankengötter Fußballblog: Was ist aus Manni geworden?

Der Maulwurf: Er hat sich kurz vor seiner Verhandlung einen Fluchttunnel aus seiner Gefängniszelle gegraben.

Flankengötter Fußballblog: Klingt, als wäre das Leben als Sternmull ganz schön gefährlich.

Der Maulwurf: Man muss sich eben zu helfen wissen. Aber Sie haben Recht – so ‘ne Sachen wie Manni sie macht, die wären nichts für mich. Zu viel Stress. Ich bin nicht mehr der jüngste.

Flankengötter Fußballblog: Dann also lieber Insider-Geschichten von Fußballvereinen abgreifen?

Der Maulwurf: Sie sagen es. Ich meine, natürlich könnte ich mich auch unter den NSA-Ausschuss graben oder unter den TTIPP-Leseraum. Technisch wäre das kein Problem, glauben Sie mir.

Flankengötter Fußballblog: Aber?

Der Maulwurf: Was hätte ich davon? Interessiert doch keine Sau, also kann ich die Infos nicht verkaufen. Da steht das Risiko in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Flankengötter Fußballblog: Es gibt auch noch so etwas wie Idealismus.

Der Maulwurf: Ja, ja, wir sind alle Nutten. Den Idealisten überlasse ich es gern, den Assange aus der chilenischen Botschaft zurück nach Australien zu buddeln. Ich hab’ 278 Kinder und 10.945 Enkelkinder, an die ich denken muss. Was die allein an einem Tag an Regenwürmern fressen … Also, nennen Sie mich meinetwegen ein Arschloch. Bin ich gewöhnt. Mit den Dingern an der Nase (tippt sich mit den Krallen an die fingerartigen Tastorgane an der Nasenspitze) sehe ich sowieso nicht sonderlich possierlich aus. Also, was soll’s. Aber unter euch Menschen gibt es ja auch Fotografen – oder Blogger –, die aus Kriegsgebieten berichten und solche, die lieber Promis nachstellen – oder über Fußball bloggen.

Flankengötter Fußballblog: Schon verstanden. Also, reden wir über Fußball. Was ist dran an den Geschichten über Unruhe beim FC Bayern München, übergewichtige Spieler, Unzufriedenheit mit dem Trainer?

Der Maulwurf: Es ist alles wahr.

Flankengötter Fußballblog: Tatsächlich?

Der Maulwurf: Ja, lieber Himmel, wie stellt ihr euch das denn vor bei so einem Bundesligaverein, erst recht bei so einem wie Bayern München? Da hast du 25 Kerle im Kader, die sich jeden Tag bekämpfen müssen. Denen wird jeden Tag ein fetter Regenwurm in Form von Siegprämien, Auflaufprämien, Erfolgsprämien oder Vertragsverlängerungen vor die Nase gehalten. Die müssen sich jeden Tag gegenseitig ausstechen. Da gibt’s jeden Tag auf die Knochen. Das ist normal, dass sich da Leute anschreien oder an den Kragen gehen. Ich meine, wir reden hier von Fußballern, das sind ja, ich will jetzt nichts Falsches sagen, aber, das sind ja nicht immer die hellsten Kerzen auf der Torte.

Flankengötter Fußballblog: Wieso wird dann nicht jeden Tag über so was berichtet?

Der Maulwurf: Na, weil’s dann langweilig würde. Das ist wie mit dem Seehofer. Vierzehn Tage lang sind dem seine Querschüsse ganz witzig, dann haben die Leute die Nase voll davon und schalten um. Außerdem, ich meine, wenn jetzt jeden Tag einer mit einer Story über eine Trainingskeilerei käme, dann wären ja unsere ganzen vorbildlichen Fußballer verbrannt, das ganze Produkt Bundesliga könnte man dann vergessen, die ganzen Werbeeinnahmen, all das.

Flankengötter Fußballblog: Dann verwundert es aber, dass nun doch etwas rausgekommen ist, noch dazu über die Bayern.

Der Maulwurf: Ja? Mich wundert das nicht.

Flankengötter Fußballblog: Nicht?

Der Maulwurf: Nein. Ich sag’ Ihnen was: Die Geschichte, die hätte ich schon bringen können, da war der … wie heißt der spanische Trainer von denen noch?

Flankengötter Fußballblog: Pep Guadiola.

Der Maulwurf: Genau. Da war der Guardiola gerade mal ein halbes Jahr da. Da war das alles schon, Wintertrainingslager in Dubai und so. Hätte man damals alles schon kritisieren können, hatte ja da auch schon ein Geschmäckle.

Flankengötter Fußballblog: Warum also haben Sie sie damals nicht gebracht?

Der Maulwurf: Weil keiner sie haben wollte. War zu heiß.

Flankengötter Fußballblog: Warum?

Der Maulwurf: Weil der Hoeneß noch da war natürlich. Da haben alle abgewunken und gesagt: »Mit dem leg dich mal besser nicht an, der macht dir die Hölle heiß!« Mit dem wollte es sich keiner verscherzen. Aber jetzt ist der …

Flankengötter Fußballblog: Guardiola.

Der Maulwurf: … Der ist nur noch ein halbes Jahr da und er war halt bei Medienterminen nie so der Gute-Laune-Onkel und hat nie aus dem Nähkästchen geplaudert. Und der Hoeneß ist ja auch weg. Noch jedenfalls.

Flankengötter Fußballblog: Sie glauben also, mit Uli Hoeneß als Bayern-Präsident hätte es die Story nie gegeben?

Der Maulwurf: So wurde es mir jedenfalls gesagt. »Mit dem wollen wir es uns nicht verscherzen!« Wörtlich.

Flankengötter Fußballblog: Wer hat das gesagt?

Der Maulwurf: Die selben Leute, die die Geschichte dann im Winter gespielt haben natürlich.

Flankengötter Fußballblog: Das heißt, Sie hätten die Story auch schon vor zwei Jahren bringen können?

Der Maulwurf: Ich kann sie auch in einem Jahr wieder bringen, mit ‘nem anderen Verein und ‘nem anderen Trainer, nur ein bisschen modifiziert.

Flankengötter Fußballblog: Das müssen Sie mir erklären.

Der Maulwurf: Ganz einfach. Das ist eine Story, die keine Story ist. Die hat im Grunde genommen null Nachrichtenwert. Ich meine, die Spieler gehen in die Winterpause. Sie haben mal ein paar wenige Tage frei und außerdem ist Weihnachtszeit. Da wird dann nun mal gut gegessen und auch mal was getrunken, ist doch normal. Die Jungs müssen sich doch sonst fast das ganze Jahr über alles verkneifen. Ja, meine Güte, und dann kommt eben der eine mit ‘nem halben Kilo mehr Gewicht aus dem Urlaub und der andere mit 750 Gramm. Big deal.

Flankengötter Fußballblog: Aber dass die entsprechenden Mails an die Öffentlichkeit kommen, ist doch nicht normal.

Der Maulwurf: Ich sag’s noch mal: Big deal! In jedem Büro gehen doch täglich solche Mails herum. »Die Mitarbeiter werden nochmals darauf hingewiesen, auf den Gängen nicht zu rauchen.« – »Die Mitarbeiter werden aufgefordert, die Toiletten sauber zu hinterlassen.« So ist das einzuordnen. In jedem Verein gehen zu Saisonbeginn und nach der Winterpause solche Mails rund.

Flankengötter Fußballblog: Ist es wirklich so einfach?

Der Maulwurf: Klar ist es das. Außerdem, gucken Sie sich doch mal an, wie schnell die Sache beerdigt wurde.

Flankengötter Fußballblog: Ist das jetzt irgendwie spezieller Sternmull-Humor?

Der Maulwurf: Ha, ha, Maulwürfe als Totengräber, sehr witzig. Den hat vor Ihnen wirklich noch keiner gebracht.

Flankengötter Fußballblog: Na schön. Also, wie meinen Sie das?

Der Maulwurf: Sehen Sie sich doch mal an, wie lange die Sache mit den gefilzten Vertragsunterlagen beim HSV gespielt wurde und wie lange die mit den nach außen gelangten Mails bei Bayern. In Hamburg wurde das wochenlang am Kochen gehalten, in München war das Thema ganz schnell abgeräumt.

Flankengötter Fußballblog: Hat es da Druck gegeben?

Der Maulwurf: Weiß ich nicht. Ich denke eher, das Thema war einfach »gähn!«, verstehen Sie?

Flankengötter Fußballblog: Und was ist dran an den Gerüchten, dass Pep Guardiola innerhalb der Mannschaft des FC Bayern nicht mehr sonderlich gut gelitten ist?

Der Maulwurf (seufzt): Noch mal – da sind 25 Kerle im Kader, deren Leben besteht, seit sie gerade mal Teenager waren, in so was Stumpfsinnigem wie Fußballtraining, jeden Tag. Die laufen linksrum, wenn der Trainer sagt, sie sollen linksrum laufen, und rechtsrum, wenn der Trainer sagt sie sollen rechtsrum laufen. Und wenn einer mal kurz ungefragt die Richtung wechselt, ist er für die Medien ein »Rebell«, yay. So, und von den 25 Kerlen im Kader mögen den Trainer fünf, weil der Trainer sie immer aufstellt oder meinetwegen auch, weil sie tatsächlich so viel Objektivität haben, dass sie so oder so von ihm lernen. Und fünf mögen den Trainer nicht, weil er sie nicht aufstellt. Aber die sagen natürlich nix, weil sie ja noch unter Vertrag stehen oder woanders noch Fußball spielen wollen. Und den restlichen 15, denen ist das völlig latte, wer Trainer ist. Die haben sich arrangiert damit, dass ihr Leben als Profisportler eben darin besteht, das zu tun, was ihnen ein Hansel in Trainingshose sagt.

Flankengötter Fußballblog: Aber Philipp Lahm hat doch gesagt, die Mannschaft würde gern mit Guardiola weiterarbeiten.

Der Maulwurf: Lahm gehört ja auch zu den fünf, die Guardiola immer aufstellt.

Flankengötter Fußballblog: Ist es wirklich so einfach?

Der Maulwurf (seufzt erneut): Natürlich ist es das. Schauen Sie, wenn die Bayern einen Trainer hätten haben wollen, der sich mit dem Verein identifiziert und den noch dazu alle mögen – Spieler, Trainer, Fans – dann hätten sie Japp Heynckes behalten müssen.

Flankengötter Fußballblog: Jupp.

Der Maulwurf: Sehen Sie.

Flankengötter Fußballblog: Nein, ich habe Ihnen nicht zugestimmt. Der Mann heißt Jupp. Nicht Japp. Jupp Heynckes.

Der Maulwurf: Ach so? Na ja, jedenfalls, Heynckes hatte ja eigentlich noch ein Jahr Vertrag, wenn ich das richtig sehe, und eigentlich hatte Hoeneß doch auch gesagt, noch mal entlässt er den Heynckes nicht. Also hätten die Bayern noch ein Jahr mit Heynckes weitermachen können, aber dann wäre Guardiola eben nicht mehr zu haben gewesen. Also haben sie sich einvernehmlich von Heynckes getrennt – was ironischerweise natürlich nur deshalb so reibungslos und harmonisch ging, eben weil der Heynckes sich sehr mit dem Verein identifiziert. Und bekommen haben sie danach einen, der den FC Bayern München als Arbeitsplatz sieht, als Job, als Station in seiner Vita.

Flankengötter Fußballblog: Kommuniziert haben sie das aber anders.

Der Maulwurf: Klar haben sie das. Bei Bayern gehört ja diese ganze Folklore mit Lederhosen und mia san mia zur corporate identity.

Flankengötter Fußballblog: Dann bleibt also nur noch die Sache mit den angeblichen Alkoholeskapaden und den acht Millionen netto Jahresgehalt von Arturo Vidal.

Der Maulwurf: Das kam nicht von mir. Das war der Versuch, die Sauregurkenzeit der Winterpause mit einer Neiddebatte zu überbrücken.

Flankengötter Fußballblog: Und die Alkoholgeschichte?

Der Maulwurf: Weiß ich nicht. Kann sein, dass er mal einen über den Durst getrunken hat. So what? Ich weiß nur, ich habe ihn am Dienstag gesehen gegen Juventus Turin, das ist jetzt nicht gerade Laufkundschaft, und da haben die Bayern den Gegner in dessen eigenem Stadion 60 Minuten lang aber sowas von an die Wand gespielt. Mit Vidal.

Flankengötter Fußballblog: Okay, aber haben Fußballer nicht auch eine Vorbildfunktion?

Der Maulwurf: Ach, Vorbildfunktion am Arsch. Journalisten haben auch Vorbildfunktion. Aber gerade im Fußball nehmen sie sich immer einzelne Spieler her, auf denen sie rumhacken. Vidal ist so einer. Auch der André Schürrle. Ich meine, der hat im WM-Finale 2014 die Vorlage zum Siegtor gegeben. Aber alle reden immer nur davon, wenn er mal nicht spielt, nicht von Anfang an spielt oder nicht im Kader ist. Dabei, wo gibt’s das heute noch, dass ein Feldspieler in der Bundesliga alle Spiele macht? Das gab’s zuletzt zu Uwe Seelers Zeiten.

Flankengötter Fußballblog: Unterm Strich heißt das also, Sie als Maulwurf – oder Sternmull – haben im Winter Kohle gemacht mit einer Story, die eigentlich nur heiße Luft war?

Der Maulwurf: Ja. Geil, oder?

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