Der satirische Länderspiel-Marathon, Teil 1

Viel Pause, wenig Länderspiel

Es ist mal wieder Länderspielpause. Das heißt: Tagelanges Dauerbombardement mit Fußball. Wie früher in der Schule, wenn es galt, zwei Seiten zu schreiben und man die Wörter schön in die Länge zog, um die Vorgabe zu erreichen, wird heute alles getan, um irgendwie die Zeit zwischen allen möglichen Formen der Werbung zu füllen. Zum Beispiel so:

Moderator (aufgekratzt): »Guten Abend, liebe Zuschauer, mein Name ist Fabian Truchsess und ich heiße Sie herzlich willkommen zu unserer von Fußball unterbrochenen Dauerwerbesendung! An meiner Seite wie immer meine beiden Experten. Früher Konkurrenten und heute beste Freude für die und vor der Kamera: Lars Luvmann und Ottokar Schiff!«

Luvmann: »Hallo.«
Schiff: »Ja, auch von mir hallo.«
Luvmann (halblaut): »Ich hab’s zuerst gesagt!«
Schiff (halblaut): »Deine Muddah hat’s zuerst gesagt …«

Moderator (überspielend): »Lars, Ottokar, es sind nur noch zwölf Stunden bis zum überhaupt nichts entscheidenden Spiel in den juropieän Kwollifeiers zwischen Weltmeister Deutschland und Llívia, einer kleinen spanischen Exklave, die seit 1. Oktober offizielles UEFA-Mitglied ist.«

Luvmann (hilfesuchend jemanden hinter der Kamera anblickend): »Ein Ex-Sklave, der Fußball spielt?«
Schiff: »Wieso heißt das jetzt eigentlich ‘Kwollifeiers’?«
Moderator (eisern lächelnd): »Weil Englisch cool ist und wir 7.000 Seiten völlig sinnfreier Sprachregelungen beachten müssen, seit wir die Übertragungsrechte erworben haben! Darum!«
Schiff: »Früher war alles besser. Da hab’ ich noch gespielt.«
Moderator (gepresst): »Versuch du mal, dir einen Allerweltsbegriff wie ‘EM-Qualifikation’ markenrechtlich schützen zu lassen, Klugscheißer!«
Luvmann: »’EM-Qualifikation’ heißt das, du Spast. Ich hab’ mal in England gespielt.«
Schiff: »Früher war alles besser. Außerdem hast du Haarausfall!«
Luvmann (erschrocken mit der Hand zu Hinterkopf fahrend): »Kacke, sieht man das?«

Schiff kichert schadenfroh in sich hinein.

Moderator (überspielend): »Lars, Ottokar, was meint Ihr – kann die ersatzgeschwächte B-Elf der Amateure aus Llívia dem Weltmeister gefährlich werden? Ist die Sensation möglich?«

Luvmann: »Ach, Quatsch! Die können froh sein, wenn’s nicht zweistellig wird!«
Moderator (zischend): »Wirst du wohl einen auf Spannung machen, verdammich?«
Schiff (triumphierend): »Also, mit der richtichen Einstellung und Motivazioohn …«
Luvmann (halblaut nachäffend): »Einstellung … Motivazioohn …«
Schiff (unbeirrt): »… mit der richtichen Motivazioohn ist alles möglich. Gerade im Fußball. Das sag’ ich schon immer.«
Luvmann (die Augen verdrehend): »Jo, stimmt. Seit 20 Jahren die selbe Leier.«
Schiff (selbstzufrieden): »Ich hab’ ein Buch über Motivazioohn geschrieben! Verkauft sich wie bolle! Platz eins bei Spiegel und 45 Sterne in den Kundenrezensionen des Online-Handels!«
Luvmann (säuerlich): »Ach, und was ist mit der Einstellung?«
Schiff (vergnügt): »Um die richtiche Einstellung geht’s in Band zwei! Untertitel: Noch mehr tote Bäume für Ratschläge, auf die Sie mit ein bisschen Nachdenken auch selbst kommen könnten

Moderator (hastig): »Wir müssen mal zusehen, dass wir von dem Schweinegeld für die Übertragungsrechte wenigstens ein bisschen was wieder einspielen. Deshalb geben wir jetzt ab in die Domstadt zur Werbung! Bleiben Sie bei uns!«

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