Der satirische Länderspiel-Marathon, Teil 2

Der Ball rollt … nicht.

Noch immer sind es Stunden bis zum Anpfiff. Moderator Truchsess und seine Experten Schiff und Luvmann müssen sich also weiter irgendwie von Werbeunterbechung zu Werbeunterbrechung hangeln. Viel hochmoderne Elektronik kommt zum Einsatz, ein Fußball hingegen nicht.

Es laufen 875 Werbespots für Chips, Bier und Autos. Im Splitscreen ist zu sehen, wie sich die Experten Schiff und Luvmann an die Gurgel gehen und der Moderator einen hysterischen Weinkrampf bekommt. Dann:

Moderator (Augenringe, Krawatte verrutscht, Frisur notdürftig gerichtet): »Willkommen zurück zur Marathon-Übertragung …«
Luvmann: »Wie jetzt, Marathon? Ich denke, wir sind hier beim Fußball?«
Moderator (genervt seufzend): »… zu unserem Übertragungs-Marathon der juropieän Kwollifeiers, meine ich! Inzwischen haben wir immer noch nicht die offiziellen Mannschaftsaufstellungen, aber neun Stunden vor Anpfiff können wir ja schon mal munter spekulieren. Also, meine Herren Experten …«

Schiff und Luvmann beugen sich mit konzentrierten Gesichtern über ihre Touchscreens.

Luvmann (einen Spieler mit seinem hochmodernen elektronischen Stift einkreisend): »Also, ich habe ja als Aktiver mal in England gespielt, deshalb kenne ich mich total gut aus im englischen Fußball. Und deshalb kann ich Ihnen sagen, dass bei Llívia der einzigste echte Profi der Spieler mit der Rückennummer 99 ist, 39 Jahre alt und im Sommer für 8,7 Millionen Pfund in die sechste englische Liga gewechselt.«

Moderator: »Auf den sollte man also aufpassen?«
Luvmann: »Aufpassen sollte man auf jeden.«
Schiff: »Laufen können die ja heutzutage alle!«
Luvmann: »Und der Ball ist rund und fliegt hier in der Höhenluft der Pyrenäen ganz eckig!«
Schiff (gravitätisch nickend): »Ja, das ist schon eine Umstellung. Sollte man nicht unterschätzen.«
Luvmann: »Darf man nicht unterschätzen, nein.«
Schiff: »Auf keinen Fall!«

Moderator (glücklich): »Sie sehen, liebe Zuschauer: Unsere Experten sind sich einig. Es wird ein spannendes Spiel. Und nun noch einmal kurz in die Werbung. Bleiben Sie dran, denn nach der Pause haben wir noch eine Überraschung für Sie! Also, bis gleich!«

Weitere 875 Werbespots für Chips, Bier und Autos und ein Haufen Gewinnspiele (für 2,87 Euro und die Preisgabe sämtlicher privater Daten pro Anruf) später:

Moderator: »Ja, willkommen zurück, liebe Zuschauer zur Übertragung der juropieän Kwollifeiers! Das Stadion hier in den Pyrenäen füllt sich langsam immer noch nicht. Ich hatte Ihnen vor der Werbepause ja eine Überraschung angekündigt. Und hier ist sie: Unser Experte Lars Luvmann kann nämlich nicht nur Fußball!«

Schiff: »Also, ich hab’ ja ein Buch geschrieben …«

Moderator: »… Und das wird er demnächst einem großen Fernsehpublikum beweisen!«

Schiff: »… über Motivazioohn!«

Moderator: »In unserer neuesten, gar nicht aus den USA abgekupferten, völlig ungeschnittenen und garantiert keinerlei Drehbuch folgenden Koch-Tanz-Sing-Ekel-Show Cooking Fools! Hier schon mal exklusiv ein kurzer Ausschnitt!«

Man sieht Luvmann in Zeitlupe einen Teebeutel in siedendes Wasser werfen. Ein Spritzer trifft seine Hand. Man hört einen langgezogenen, tiefen Schmerzensschrei in Zeitlupe. Als das Live-Bild wieder da ist, lächelt Luvmann gequält in die Kamera.

Moderator: »So, und jetzt nur ein Spot, dann sind wir wieder für Sie da!«
Schiff: »Wie, schon wieder Reklame?«
Moderator (belehrend): »Nur ein Spot! Das gilt nicht als Werbeunterbrechung!«

Es folgt ein Einspieler des offiziellen Logos der juropieän Kwollifeiers, dann ein Werbespot, erneut der Einspieler des offiziellen Logos der juropieän Kwollifeiers, gefolgt von einer Großaufnahme kopulierender Stadiontauben auf dem Rasen. Dann ist genug Zeit überbrückt, um wieder regulär Werbung zu machen.

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