DFB-Männer holen ohne Vorbereitung Silber in Rio (und die DFB-Frauen mit Vorbereitung Gold)

Silbrige Lehren

Die deutsche Olympiaauswahl der Männer hat bei den Spielen in Rio die Silbermedaille gewonnen. Es war das beste gesamtdeutsche Ergebnis im Fußball überhaupt und es wird zu recht gefeiert. Allerdings tun sich unter den Schulterklopfern besonders jene hervor, die der Mannschaft von Horst Hrubesch zuvor alles an Knüppeln zwischen die Beine geworfen haben, was sie finden konnten. Und was jetzt niemand mehr wissen will: Manche Journalisten und Kommentatoren hatten der Olympiaauswahl schlankweg ihre Daseinsberechtigung abgesprochen.

Vorab: Hier müsste eigentlich ein Artikel über Deutschlands Fußballfrauen stehen. Denn die haben erstmals Olympia-Gold gewonnen. Und auch deren Trainerin, Silvia Neid, hört auf – nach Titeln höher dekoriert als ihre Kollegen Hrubesch oder Löw. Es ist eine Ungerechtigkeit, dass das »Danke, Jungs!«-Bildchen des DFB millionenfach geteilt, geliket und kommentiert wurde, die erfolgreicheren Fußball-Frauen aber wieder einmal nicht andeutungsweise so viel Anerkennung bekamen.

»Ja, die Frauen!«, stöhnte etwa Komiker Oliver Pocher noch augenrollend, als er im Doppelpass von Sport1 darauf hingewiesen wurde, dass die DFB-Frauen eine wesentlich längere Vorbereitungszeit auf die Olympischen-Spiele hatten als die Männer und zudem in Rio mit voller Kapelle anrücken konnten. Die Gesprächsrunde, in der ansonsten nur ein einziger Olympia-Befürworter saß, schwieg daraufhin derart betreten und selbst die machistischen Stammtisch-Humoriker im Publikum brachen ihr Lachen so schnell wieder ab, dass sich Pocher weitere hochgeistige Ausführungen seiner Meinung tunlichst verkniff.

Diese Begebenheit ist deshalb von Bewandtnis, weil sie zeigt, wie geheuchelt die offiziellen Glückwünsche an die DFB-Olympiaherren sind. Vor Rio galt Olympia als Störfaktor in der Saisonvorbereitung. Nun, da das Ergebnis stimmt und man sich in ihm sonnen kann, will davon freilich niemand mehr etwas wissen. »Mit ein bisschen mehr Glück«, heißt es angesichts der Finalniederlage im Elfmeterschießen häufig, hätte Deutschland auch gewinnen können.

Das stimmt natürlich, ändert aber nichts daran, dass Brasilien im Spiel um Gold die überlegene Mannschaft war und den Sieg verdient hat. Das wird von den weitaus meisten Beteiligten auch so gespiegelt. Die Silbermedaille, so der Tenor, ist aller Ehren wert und das Ergebnis geht so auch in Ordnung.

Wer mangelndes Glück oder gar weinerlich das »gellende Pfeifkonzert« der brasilianischen Zuschauer ins Feld führt – was, bitte, ist ein Pfeifkonzert im Stadion, wenn nicht gellend, liebe Journalisten? –, der lenkt von ein paar schlichten, aber wesentlichen Tatsachen ab: Die Olympiaauswahl ist stiefkindlich behandelt worden. Das Klinkenputzen zum Zusammenstellen des Kaders dauerte laut Trainer Horst Hrubesch länger als die eigentliche Turniervorbereitung.

Es gibt also handfeste Gründe jenseits von Glück, Pech und Stadionatmosphäre, warum es bei den Männern »nur« Silber wurde und nicht Gold. Das beweisen nicht zuletzt die von Oliver Pocher und anderen geschmähten DFB-Frauen.

Überhaupt: Wenn es nur Pech gewesen wäre, dessentwegen Deutschlands Männer im Fußball das Finale verloren haben, dann würde das so einiges ad absurdum führen – etwa die noch vor zwei Jahren als für den Titelgewinn entscheidend gepriesene Quartierwahl, die akribische Vorbereitung und die Um- und Einstellung auf das Klima in Brasilien.

Es würde bedeuten: Zwangsabstellungen an die Nationalmannschaften sind nicht nötig, langwieriges Abstimmen und Einspielen auch nicht, die vielzitierten »Automatismen« werden offenkundig völlig überbewertet, es müsste viel weniger Test-Länderspiele geben.

Ich fände diese Aussicht ja wunderbar. Aber irgendwie glaube ich, so war das dann doch nicht gemeint mit dem Lob für die DFB-Olympia-Herren.

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Eine Antwort auf DFB-Männer holen ohne Vorbereitung Silber in Rio (und die DFB-Frauen mit Vorbereitung Gold)

  1. FussiMarc sagt:

    schöner, differenzierter Artikel! Wenn man vor einiger Zeit das Spiel Kanada vs. USA der Fußball Frauen gesehen hat, kann man wirklich nicht nur die Fußball Jungs bestaunen. Vor allem ist Frauen Fußball iwie noch ehrliches Bolzen..

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