Die 5 nervigsten Themen der letzten Monate

Fünf Dinge, die mich nerven

In den letzten Wochen und Monaten hat es eine ganze Reihe wilder Thesen gegeben, die sich irgendwie verselbständigt haben, mich aber ehrlich gesagt nur noch nerven – angefangen beim ohne Fahrerlaubnis fahrenden Marco Reus über die BVB-Krise, den FC Bayern in Doha und die Schalker Spielweise, bis hin zu Trainern als Sportdirektoren. Also: Räumen wir mal ein bisschen auf!

1) Marco Reus und der Führerschein, den er nicht hatte: Okay, Fahren ohne Fahrerlaubnis ist nicht die klügste aller Entscheidungen, vor allem von wegen Vorbildfunktion und so, klare Sache. Aber wirklich verfangen hat das Thema ja nicht (zumindest wenn man, wie ich, einen großen Bogen um BLÖD und Co. Macht). Es wurde zwar so ein bisschen versucht, Borussia Dortmund als Verein am Zeug zu flicken, aber offensichtlich waren die meisten Menschen in diesem Land der berechtigten Meinung, dass ein Arbeitgeber bei aller Fürsorge nicht auf die Idee kommen muss, Führerscheinkontrollen durchzuführen. Von daher ist die Sache auch durch. (Aber-)Witzig fand ich allerdings den in den Kommentarspalten oft hergestellten Zusammenhang, wonach das Fahren ohne Fahrerlaubnis in Kombination mit einem PS-starken Sportwagen besonders verwerflich sei. Liebe Leute: Marco Reus ist offensichtlich sieben Jahre lang ohne Führerschein Auto gefahren. Glaubt ihr allen Ernstes, der lernt jetzt in der Fahrschule noch irgend etwas, das ihn entsetzt zu der Erkenntnis kommen lässt: »Scheiße, so also fährt man Auto!«? Und glaubt ihr allen Ernstes, ein Führerschein macht es wirklich weniger gefährlich, 1500 Kilogramm Metall mit 500 Pferdestärken zu versehen und mit mehreren hundert Stundenkilometern fortbewegen zu können? So ein Gefährt bleibt ein Geschoss, Lappen hin oder her.

2) Die Krise, zu der jeder etwas zu sagen hat: Gut, wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, Borussia Dortmund ist nach dem 19. Spieltag in der Bundesliga Tabellenletzter und stattdessen steht der FC Augsburg auf einem Champions-League-Platz, dann hätte ich ihn für, sagen wir mal, »mutig« gehalten. Und genau das ist ja der springende Punkt: Niemand, absolut niemand, hat diese BVB-Krise vorausgesehen. In jeder verf…luchten Saisonvorschau wurde Dortmund, wenn nicht als Bayern-Konkurrent, so doch als sicherer Kandidat für Tabellenplatz zwei gehandelt! Und die selben Leute, die diese Prognosen verzapft haben, kommen jetzt um die Ecke und wissen ganz genau, warum es bei Dortmund nicht mehr läuft: Weil Jürgen Klopp nämlich eigentlich gar kein so guter Trainer ist. Weil seine Spieler nämlich eigentlich nicht so gut sind. Und weil falsch eingekauft wurde, jawoll!

Mal ernsthaft: Fehler analysieren kann doch jeder. Sie können mich vor jedes x-beliebige Fußballspiel setzen und ich sage Ihnen ganz genau, da steht ein Spieler falsch, da stimmt die Staffelung nicht, da stimmt die Raumaufteilung nicht, da sind die Laufwege falsch, da sind Räume nicht besetzt. Ich kann das und Sie können das auch. Aber das Entscheidende ist, dass es damit nicht getan ist. Das Entscheidende ist, den Spielern zu vermitteln, wie sie die Fehler abstellen. Und das könnte ich nicht und Sie vermutlich auch nicht und all die Zeitungskolumnisten und TV-Experten mit ihren coolen Analysegrafiken womöglich auch nicht.

Klar, jetzt könnte man sagen, Jürgen Klopp hat die Fehler bei Borussia Dortmund in dieser Saison auch noch nicht nachhaltig abgestellt, also wurde er überschätzt. Das beantwortet aber immer noch nicht die Frage, warum genau dieser Trainer zuvor schon von teils genau den selben Fachleuten auf dem Sprung zu Arsenal London, zum FC Chelsea oder Manchester United gesehen wurde.

Was würde es außerdem über die Bundesliga aussagen, wenn man tatsächlich durch reines Heißmachen der Spieler zwei mal Meister und einmal Pokalsieger werden könnte – vom Erreichen des Endspiels in der Champions League ganz zu schweigen? Nein, ich halte nichts davon, es nun etwa so darzustellen, als sei Klopp nur das eloquente Aushängeschild und der introvertierte Zeljko Buvac der eigentliche Taktiker. Das selbe Spielchen wurde früher schon mit Jürgen Klinsmann und Joachim Löw zu spielen versucht, selbst mit Berti Vogts und Franz Beckenbauer.

Und was die Dortmunder Transferpolitik angeht, möchte ich nur daran erinnern, dass der kicker einst schon mal eine BVB-Neuverpflichtung zum GröFloZ (1) gekürt hat. Wissen Sie, wer das war? Ilkay Gündogan, ein Jahr später der Dominator im Meister-Mittelfeld und Mastermind auf dem Weg ins Finale der Königsklasse.

Ist also Matthias Ginter tatsächlich so eine schlechte Verpflichtung – zumal vor dem Hintergrund, dass sich auch Max Eberl von Borussia Mönchengladbach, der »Top-Einkäufer der Liga« (kicker), um ihn bemüht haben soll? Ist es so unwahrscheinlich, dass Ciro Immobile und Adrian Ramos in Dortmund noch einen Sprung nach vorn machen? Und vor allem: Wäre Mario Mandzukic tatsächlich die Patentlösung (gewesen), wie es nun gern behauptet wird?

Schließlich ist der Kroate bei Bayern München aussortiert worden, weil er nicht mehr wie verlangt mitgezogen hat. (Nebenbei bemerkt hatte er ja auch noch ein Angebot vom spanischen Meister und Champions-League-Finalisten Atletico Madrid.) Da kann man doch durchaus zu dem Schluss kommen, dass Mandzukic nicht ins Dortmunder System und Mannschaftsgefüge gepasst hätte.

3) Oha! Der FC Bayern in Doha: Die Bedingungen erstklassig, der Trainer ein Fan, der Verein international verflochten und verpflichtet – alles wahr und doch alles Ausreden. Gute Trainingslager gibt es auch woanders – und wenn der deutsche Rekordmeister das von der Nationalmannschaft hinterlassene Campo Bahia bezogen hätte. Bei der Wahl des Wintertrainingslagers ging es nur ums Geld. Entsprechend berechtigt sind die Vorwürfe, dass der FC Bayern mit seiner Präsenz Regime geadelt hat, die gegen die Menschenrechte verstoßen. Dabei hätten doch gerade die Münchener Möglichkeiten wie kein zweiter Klub in Deutschland, starke Zeichen zu setzen. Sie könnten sich vermutlich sogar irgendwo in südlichen Gefilden ihre eigene Anlage bauen. Ein Schaden für sie und ihre Geldgeber wäre es nicht. Sie müssten nur ein bisschen Marketingaufwand betreiben und es zum Greenwashing nutzen. Ja, das mag zynisch klingen, ist aber genau die richtige Antwort auf all jene Zyniker, die sich »Realisten« schimpfen: Es hätte realistische und wirtschaftlich sinnvolle und lukrative Möglichkeiten gegeben, das Wintertrainingslager anders zu gestalten. Und an die Adresse der gänzlich unkritischen Bayern-Fans, die sich beklagen, dass ihr Verein kritisiert wird, während die Bundesregierung zugleich Waffenexporte nach Saudi-Arabien genehmigt: Was ist das denn für eine Argumentation? Seit wann rechtfertigt das falsche Vorgehen von anderen, dass man sich selbst in seinem Rahmen nicht besser verhält? Ich dachte bislang immer, gerade der FC Bayern München stünde für andere Maßstäbe.

4) Schalke spielt scheiße, weil so viele Spieler verletzt sind: So hat es Manager Horst Heldt am Wochenende nach dem erneut wenig ansehnlichen Spiel der Königsblauen gegen Borussia Mönchengladbach verlauten lassen. Okay, den Schalker Fans wird es im Zweifelsfall egal sein, wie ihre Mannschaft gewinnt. Im Fußball geht es nun mal um die drei Punkte. Es liegt in der Natur der Sache, dass Fußball nach dem Motto »Hauptsache gewonnen!« nur den Anhängern der damit erfolgreichen Elf gefällt. Und, ja, Roberto di Matteo ist mit dieser Art Rumpelfußball Champions-League-Sieger geworden, ergo ist es sein Erfolgskonzept, das sich bewährt hat. Nur bedeutet das im Umkehrschluss letztlich auch, dass di Matteo vermutlich auch dann nicht anders spielen lassen wird, wenn er seinen gesamten Kader zur Verfügung hat. Schließlich hat er im Winter darauf gedrungen, dass nicht etwa die Offensive verstärkt wird sondern die von Verletzungen nicht sonderlich gebeutelte Defensive.

Natürlich ist di Matteos Ausrichtung auch nachvollziehbar. Wenn man nur zwei vergleichsweise defensivschwache Außenverteidiger hat, ist es logisch, in der Abwehr auf eine Dreier- bzw. Fünferkette zu setzen. Trotzdem würde auch der aktuelle Kader von Schalke 04 durchaus eine offensivere Aufstellung hergeben. Und bitte, bitte, bitte: Hört mir doch auf, diese destruktive Spielweise mit Verletzten zu rechtfertigen. Die gab es nämlich auch schon unter Jens Keller und sie wurden trotzdem nicht als Rechtfertigung gelten gelassen.

5) Der VfB Stuttgart hat jetzt zwei Trainer: Ja, ich weiß. Robin Dutt hat vor seinem »Amtsantritt« in Bremen gesagt, dass ihm der Job als Sportdirektor nicht liegt und er viel lieber Trainer ist. Und nun ist er doch wieder Sportdirektor, welch Inkonsequenz! Ja, vielleicht hat er auch tatsächlich irgendwann irgendwo im Wintertrainingslager während eines Testspiels gegen den SV Melkmaschine Pritzwalk was aufs Spielfeld gerufen. Na und? Leute, geht doch einfach mal davon aus, dass die Vereinsführung vom VfB Stuttgart so was wie ein Einstellungsgespräch mit Dutt geführt und sich bei seiner Anstellung was gedacht hat! Und wenn euch das noch nicht überzeugt, dann überlegt euch mal eben kurz, wie viele Leute es sonst noch so gibt, die zwischen dem Trainerjob und dem Sportdirektorenposten hin und her gewechselt sind: St. Paulis Thomas Meggle zum Beispiel erst unlängst. Oder Ralf Rangnick, früher bekanntlich Trainer in Stuttgart, auf Schalke und in Hoffenheim, heute Sportchef von RB Leipzig. Oder Hansi Flick, Weltmeister-Co von Jogi Löw und heute SpoDi beim DFB. Einer seiner Vorgänger dort war übrigens ein gewisser Matthias Sammer, der vorher wiederum Trainer von Borussia Dortmund und beim VfB Stuttgart war und heute Sportvorstand beim FC Bayern München ist. Auch der große Udo Lattek war bekanntlich sowohl Trainer als auch zwischenzeitlich mal Manager.

All diesen Leuten wird nicht ans Bein zu pinkeln versucht. Nur Dutt. Dabei hat heutzutage ja wohl jeder gebrochene Job-Biografien – einschließlich der Hanseln vom Sport-Boulevard, die besser Schiffsschaukelbremser geblieben wären.

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(1) Größter Flop aller Zeiten

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