Die rollene Kanone: Der Hamburger SV, die Lizenz und Klaus-Michael Kühne

HSV Minus

Eigentlich hätte doch alles besser werden sollen beim »Bundesliga-Dino« Hamburger Sport-Verein. Die Formel dafür war verführerisch einfach: Wenn erst mal die Demokratie raus ist aus den Strukturen, kommt mehr Geld rein. Doch was sich anhört wie eine plumpe Parabel auf moderne Zeiten, lässt sich – wenig überraschend – so einfach dann wohl doch nicht in die Tat umsetzen.

Machen wir uns doch gleich zu Beginn mal ehrlich: Der HSV ist nun schon seit mehreren Jahren ein Verein für Leute, denen es zu gut geht. Wer schon alles hatte im Leben, Meister war, Europapokal oder Champions League gespielt hat, Vizeweltmeister oder Pokalsieger geworden ist und sich ob all des Erfolgs mal nach einem richtigen radikalen Neuanfang sehnt, der geht zu den Rothosen und frönt des fröhlichen Karriereknicks.

Die Mannschaft wird bisweilen in einem Bus kutschiert, auf dem Bilder von Ernst Happel und Uwe Seeler zu sehen sind. Ein Gefährt, das eigentlich der Mobilität dienen soll, wird so zum lähmenden Hemmschuh, zum Sinnbild dafür, dass die glorreiche Vergangenheit beim Hamburger Sport-Verein allgegenwärtig ist. Die große Modernisierung sollte erfolgen, indem die vermeintlich überholten Vereinsstrukturen (mit dem großen Einfluss der Fans) der Ausgliederung des Profibereichs weichen mussten. Die dabei immer wieder gespielten Schlagworte lauteten: Der Fisch stinkt vom Kopf her, der Aufsichtsrat muss verkleinert werden, ein starker Mann muss her und »mehr Fußballkompetenz« in den Klub.

Die Fragen, die dabei – wie üblich – nicht beantwortet wurden, lauteten: Wieso ist ein kleiner Aufsichtsrat eigentlich automatisch besser als ein großer? Können sich drei Leute nicht im Zweifelsfall nicht genau so fetzen und blockieren wie ein Dutzend? Kann ein Dutzend Aufsichtsräte nicht im Zweifelsfall genau so gedeihlich zusammen arbeiten, ja möglicherweise sogar noch besser, weil mehr Leute auch mehr Sachverstand mitbringen? Was nützt »Fußballkompetenz« in wirtschaftlichen Fragen der Unternehmensführung? Und was kann, was soll der vielbesungene einzelne »starke Mann« in einem solchen Unternehmen eigentlich ausrichten?

Beim Hamburger SV kommt ohnehin noch dazu, dass der besagte starke Mann Dietmar Beiersdorfer heißt. Nachdem Frank Arnesen den Hanseaten nicht gut genug war, weil er angeblich die Bundesliga nicht ausreichend kannte (er war ja auch vorher bloß bei einem kleinen Verein namens FC Chelsea) und auch Oliver Kreuzer als »Drittligamanager« (Investor Klaus-Michael Kühne) den Ansprüchen nicht genügte, soll nun mit einem Vorstandsvorsitzenden alles besser werden, der die vergangenen Jahre ebenfalls fernab der Bundesliga in Russland oder Österreich, und wenn in Deutschland, dann zumindest jenseits aller Geldsorgen und des Tagesgeschäfts zugebracht hat.

Und dann ist da ja noch die rollende Kanone Klaus-Michael Kühne. Der HSV, der sich mit größter Selbstverständlichkeit in der Riege der Traditionsvereine einreiht, hat sich in die Abhängigkeit von einem unberechenbaren alten Mann begeben, der bei jeder Gelegenheit in die Vereinspolitik hinein regiert. Wenn es stimmt, dass jener Kühne den alternden Rafael van der Vaart nach Hamburg zurück geholt hat, weil dieser der Lieblingsspieler seiner Frau ist, und sich diese Nummer dann auch noch überaus ordentlich hat verzinsen lassen, dann ist das auf allen Ebenen ein Armutszeugnis.

Nachdem die Unternehmensbewertung des Hamburger SV nun ergeben hat, dass Kühne für sein investiertes Geld nicht das an Anteilen erhält, was ihm vorschwebt, will der Milliardär jetzt seine Einlagen samt Zinsen zurück – was nichts anderes bedeutet, als dass er seinem angeblich so geliebten Fußballverein die Pistole auf die Brust setzt. An einen Lizenzentzug für die Elbstädter glaube ich nicht, nein. Da sind schließlich noch Maßnahmen wie Punktabzug davor. Aber es wird darauf hinauslaufen, dass Kühne dem HSV seine Bedingungen diktiert. Und die werden lauten: Entweder das investierte Geld plus Zinsen zurück oder doch das an Anteilen, was Herr Kühne will.

Dieser Beitrag wurde unter Bundesliga, Mannschaften veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>