FC Bayern: Früher Trainer, heute Feind

Pausenhof-Feindschaften

Ich rechne es Jörg Dahlmann hoch an, dass er, obwohl wahrlich kein Van-Gaal-Intimus, am Sonntag als einziger Medienvertreter im Doppelpass von Sport 1 das Recht auf Meinungsfreiheit vertreten hat. Denn man kann die Aussage des heutigen niederländischen Nationaltrainers getrost diskontieren, statthaft bleibt sie dennoch. Ohnehin fände ich eine Diskussion um die Frage, wer überhaupt noch als Trainer für den FC Bayern in Frage kommt, viel interessanter.

Jupp Heynckes hatte eigentlich schon alles gesagt. Die Äußerungen von Louis van Gaal in Richtung Uli Hoeneß sind so interessant wie ein umgefallenes Fahrrad in China (oder den Niederlanden, for that matter). Warum nun Sport 1 geglaubt hat, seine ohnehin offenkundige Unterwürfigkeit gegenüber dem FC Bayern noch einmal in aller Deutlichkeit demonstrieren zu müssen, indem man einen Block lang munteres Bondscoach-Bashing betreibt, bleibt Geheimnis des Senders.

Dabei hätte man das Thema doch auch zum Anlass nehmen können, einmal über die Frage zu diskutieren, wer eigentlich noch Trainer beim FC Bayern kann. Denn im Augenblick sieht es ja so aus, als müsse Jupp Heynckes das machen, bis er der Jopi Heesters der Fußballlehrer ist, weil kein anderer Gnade vor Uli Hoeneß findet. Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal – sie alle wurden jeweils als absolute Wunschlösung der gesamten Münchener Führungsriege mit ihrer vielbesungenen »geballten Fußballkompetenz« präsentiert. Am Ende stellte sich heraus, dass die Meinung so einhellig unter den Bayern-Granden nicht gewesen sein kann, denn alle drei Genannten wurden nicht nur entlassen, sie sahen sich danach auch noch immer wieder Attacken von Uli Hoeneß ausgesetzt.

Wohlgemerkt: Wer Louis van Gaals Biografie gelesen hat, weiß, dass der Mann ein, sagen wir mal, gutes Gedächtnis und ein gesundes Selbstbewusstsein hat. In seiner Lebensgeschichte finden sich durchaus mannigfaltig Spitzen gegen ehemalige Spieler und vereinzelt auch gegen Vereinsfunktionäre, denen van Gaal selbst nach Jahren und Jahrzehnten noch Majestätsbeleidigung vorhält. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass dem jetzigen (versuchten) Anwurf via Sport-BILD über neunzehn Monate hinweg immer wieder Sticheleien aus München vorausgegangen sind.

Der eingangs erwähnte Jörg Dahlmann beispielsweise erzählte unlängst bei ran online, Uli Hoeneß habe ihn während Dahlmanns mehr oder minder öffentlicher Fehde mit Louis van Gaal angerufen und ihm im Sinne von Pressefreiheit und freier Meinungsäußerung den Rücken gestärkt. Daran ist gleich Mehrerlei bemerkenswert: Erstens wurde das Thema damals völlig anders gespielt, zweitens ist Hoeneß normalerweise bei unliebsamen Medienfragen weit weniger konziliant. Das mussten sogar schon Mitarbeiter von Bayern.tv erfahren. Bei van Gaal jedoch suchte Hoeneß offensichtlich schon früh per Hinterzimmerpolitik den Schulterschluss mit den Medien.

Auch, dass Felix Magath bei Uli Hoeneß nicht mehr gut gelitten ist, mag man verstehen, wenn man davon ausgeht, dass sich die beiden nichts nehmen. Magath setzte in seiner Post-München-Ära verschiedentlich subtile kleine Gesten, die getrost als Nadelstiche gegen den FC Bayern und seinen Präsidenten gewertet werden können. Es mag hinzu kommen, dass Hoeneß als gewissermaßen fleischgewordener Bluthochdruck bei Magaths süffisant-ironischen Kommentaren besonders schnell aus dem Sattel geht.

Einer, der sich jedoch nie negativ über den FC Bayern geäußert hat, ist Jürgen Klinsmann. Trotzdem soll Hoeneß über den Schwaben gesagt haben: »Der ist ein Feind.« Zu finden ist dieses Zitat beispielsweise noch hier, jedoch bezeichnenderweise nicht mehr bei Bild.de. (Warum diese Aussage hier wiederum mit »Hoeneß in Hochform« betitelt und goutiert werden muss, sei mal dahingestellt.)

Spätestens an dieser Stelle frage ich mich nicht mehr nur, warum drei angeblich gestandene Männer von Welt im Alter um die 60 sich streiten wie präpubertäre Mädchen auf dem Pausenhof – ganz zu schweigen von ihren Peers aus der Medienwelt, die durch Mitschwimmen ihre Loyalität unter Beweis stellen wollen -, sondern ich frage mich ernsthaft, ob ich unbemerkt in irgendeiner prolligen Doku-Soap gelandet bin. Uli Hoeneß, Redner auf Trauerfeiern für Gewaltopfer, Führungskräftekongressen und Managerforen, sagt über einen seiner ehemaligen leitenden Angestellten allen Ernstes, er sei ein Feind.

Ob Gladbachs Lucien Favre angesichts dessen manchmal nachts schweißgebadet aufwacht? Immerhin hat ihn sein ehemaliger Mannschaftskamerad Karl-Heinz Rummenigge vor einiger Zeit mal als potenziellen neuen Bayern-Trainer ins Gespräch gebracht – und jetzt wissen wir ja, wie das endet, wenn der FCB-Vorstandsvorsitzende einen durchdrückt, den der FCB-Präses nicht will.

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Eine Antwort auf FC Bayern: Früher Trainer, heute Feind

  1. Friedemann sagt:

    Volle Zustimmung. Diese merkwürdige Kultur der nie zu lösenden Konflikte, dieses sich gegenseitig nichts gönnen und scheinbar verlogen miteinander arbeiten, um hinterher umso schlimmer auszuteilen… unsouverän und seltsam unreif.

    Naja, schön dass Dahlmanns Aussagen bei uns hier Erwähnung finden, der Link zu dem Video noch mal, ab Minute 2:30 spricht er direkt über sein Telefonat mit Hoeneß:
    http://www.ran.de/de/videos/ran-on-webshow/ranon-plausch-mit-dahlmann-1970866.html

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