Gesichtsverletzungen in der Bundesliga – Zufall?

Die Knochenbrecher

Ich habe eine Theorie. Zugegeben, eine gewagte, aber dennoch eine, die so leicht nicht von der Hand zu weisen ist, wie ich finde. Diese Theorie besagt, dass die große Zahl der Gesichtsverletzungen in dieser Saison mitnichten Zufall und das Ergebnis normaler Zweikämpfe ist. Denn Zweikämpfe werden auch im Training geführt – und trotzdem geht nicht jede Woche irgendwo ein Spieler mit lädierter Nase, gebrochenem Kiefer oder aufgeplatzter Augenbraue aus den Einheiten hervor.

Ich habe es an anderer Stelle hier schon einmal geschrieben und ich wiederhole es gern noch mal: Ein Foulspiel ist nicht zwingend an Vorsatz oder Absicht geknüpft. Wikipedia schreibt dazu: »Ein Spieler kann ein Foul absichtlich oder unabsichtlich als Folge einer missglückten regelgerechten Aktion begehen. Auch Fahrlässigkeit ist möglich.«

Fahrlässig war zum Beispiel das, was Dorge Kouemaha am Samstag gemacht hat. Sein Foul an Sebastian Prödl hätte mit (mindestens) einer Gelben Karte und Elfmeter geahndet werden müssen. Das ist unstrittig. Die Aktion des Kameruners war einfach nur blöd und ein Beispiel dafür, warum es heißt, Stürmer hätten im eigenen Strafraum nichts zu suchen: Anstatt wie ein Abwehrspieler mit dem Rücken zum eigenen Tor zu stehen und zum Ball zu gehen, stand Kouemaha wie ein typischer Stürmer mit dem Gesicht zum Tor – und wie ein Stürmer wollte er wohl irgendwas Spektakuläres machen, um den Ball zu klären. Der Versuch ist bekanntlich fürchterlich schief gegangen.

Damit hat es sich aber auch schon. Die anderen schweren Verletzungen des Wochenendes waren nicht die Folge von Fouls. Daniel van Buyten hat sich seinen Mittelfußbruch unglücklich bei einem Allerweltszweikampf mit Marco Reus zugezogen, Benedikt Höwedes ist mit Mannschaftskamerad Marco Höger zusammengerasselt. Das war beides einfach nur Pech.

Dass die zahlreichen Knochenbrüche, Prellungen und Platzwunden im Kopfbereich einfach nur eine zufällige Häufung sind, bezweifle ich indes allmählich irgendwie. Die Begründung, den Gegenspieler nicht gesehen zu haben, finde ich nicht stichhaltig. Es ist doch klar, dass man im Profifußball nicht unbedrängt zum Kopfball hochsteigen kann. Es ist immer ein Gegenspieler auf Tuchfühlung.

Außerdem frage ich mich, wie es früher Wörns, Kohler, Klopp oder Förster geschafft haben, Kopfbälle nicht mit dem Ententanz zu kombinieren. Selbst ein Uli Borowka hat ja so manches kaputtgetreten, aber nichts zerschlagen. Michael Schulz ist in seinen Dortmunder Zeiten als notorischer Rotsünder oft vom Platz geflogen, bis er sich in den Griff gekriegt hat. Blutüberströmte Gegenspieler hat aber auch er nicht hinterlassen. Technisch eher limitierte Fußballer rustikaler Prägung und Spielweise konnten also etwas, das die heutige Generation eleganter Abwehrspieler nicht kann? – Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

In diesem Sinne: Flankengötter wünscht allen verletzten Spielern gute Besserung!

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