Hypermoralische Kritik an Max Kruse

Diese Heuchler!

Fußball-Deutschland arbeitet sich ja seit jeher gern an einzelnen »bösen Buben« ab. Am Stinkefinger-Effenberg etwa. Oder – wer hat Angst vorm schwarzen Mann? – an Mario Balotelli, Mo Idrissou oder Kevin-Prince Boateng. Das war immer schon lächerlich. Im Fall von Max Kruse aber ist es ein selten klarer Fall von Hypermoral und Heuchelei.

Es ist bekannt, dass Max Kruse ein Faible für schnelle Autos in nicht unbedingt unauffälliger Ausführung hat. Es ist ferner hinlänglich bekannt, dass Max Kruse Poker spielt – und das offensichtlich gar nicht mal so schlecht, denn große Geldgewinne sind bekundet.

Ansonsten ist über den sogenannten oder auch Lebenswandel von Max Kruse wenig bis gar nichts bekannt. In der Zusammenarbeit mit den Medien war er bis jetzt immer umgänglich, er wirkt ähnlich drahtig und muskellos wie Thomas Müller, er trinkt keinen Alkohol. Dem äußeren Anschein nach für einen Fußballer alles im grünen Bereich also.

Kruse soll im Mannschaftshotel des DFB mal Damenbesuch gehabt haben, und zwar im wortwörtlichen Sinn, von mehr als einer Frau nämlich. Das mag des deutschen Michels feuchter Traum von Frivolität und Verruchtheit sein, ist aber weder unmoralisch noch strafbar. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob es sich eventuell leistungshemmend auswirkt. Immer unterstellt freilich, der Damenbesuch ist bis zu vorgerückter Stunde geblieben und hatte bei Kruse entsprechenden Schlafmangel zur Folge. Und ferner immer unterstellt, es hat ihn wirklich gegeben, den Damenbesuch in Singular oder Plural.

Bei Jerome Boateng jedenfalls hat es ihn nachweislich gegeben, in Gestalt einer Person, die man wahlweise als C-Klasse-Promi, It-Girl oder Boulevardsternchen bezeichnen mag, die aber jedenfalls nicht notwendigerweise zum Saubermann-Image passt, das der DFB und dessen Werbepartner so gern für deutsche Nationalspieler sehen.

Auch in Boatengs Fall kann der Damenbesuch denkbar harmloser Natur gewesen sein, ein gemeinsamer Abend prominenter Jungspunde, sie trank Buttermilch der schlanken Linie wegen und er heiße Milch mit Honig zum zeitigen Einschlafen, das nette Stelldichein endete Punkt 19:38 Uhr und heute sind beide auf Facebook befreundet und liken gegenseitig ihre dort geposteten Trivialitäten.

Der springende Punkt aber ist: Der mit dem nachgewiesenen Damenbesuch, der durfte mit nach Brasilien fahren und Weltmeister werden. Der, dessen Damenbesuch nie bestätigt wurde, flog aus dem Kader.

Und so war es schon öfter beim DFB unter Joachim Löw. Kevin Großkreutz bekam keine Auszeit verordnet, um sich beim Urologen wegen seines unkontrollierbaren Harndrangs untersuchen zu lassen. Lukas Podolski musste nach seiner Ohrfeige gegen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack nicht erst mal eine Aggressionsbewältigungstherapie machen.

Überhaupt sollten DFB und DFL für meine Begriffe momentan sehr leise treten, was Moral und Integrität betrifft. Denn der DFB, das ist der Verband, der Vereinen wegen versäumter Fristen die Lizenz entzieht, selbst aber nicht in er Lage ist, den Verbleib und den Geldfluss von 6,7 Millionen Euro aufzuklären. Es ist der Verband, der kein Problem damit hat, dass sein designierter künftiger Präsident noch im Sportausschuss des Bundestags sitzt und damit in genau jener Causa einem Interessenskonflikt unterliegt. Und die DFL erweist sich nun schon seit Jahrzehnten als wortbrüchig, wenn es darum geht, dass es »keine Salami-Spieltage geben« soll. Das war nämlich einst ihre Zusage. Seit dieser Woche wissen wir, künftig gibt es Salami auch am Montag.

Zu behaupten, das Verhalten von Max Kruse sei »nicht mit den Werten der Nationalmannschaft vereinbar«, finde ich ehrlich gesagt angesichts dessen einfach nur heuchlerisch.

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