In eigener Sache: Warum dieser Blog werbefrei ist

Werbung: Ungeschickt und einfallslos

Falls Sie einen Werbeblocker benutzen: Hier können Sie ihn getrost abschalten. Denn wie Sie sehen (werden), sehen Sie nichts. Dabei bin ich eigentlich käuflich. Nur waren die potenziellen Einkäufer bislang zu wenig bemüht.

Gerade wird ja mal wieder über das Für und Wider von Werbeblockern gestritten – wohl auch, weil die Axel Springer AG erneut einen Rechtsstreit gegen die Firma Eyeo GmbH verloren hat. Selbst Journalisten, wird zwischen Fassungslosigkeit und Empörung schwankend festgestellt, benutzten Werbeblocker.

Ich gestehe, auch ich tue das. Und zwar aus zwei Gründen: 1.) Weil ich es kann. 2.) Weil mich Internetwerbung dezent nervt.

Denn machen wir uns doch mal ehrlich: Werbung wird von Werbern gern mystifiziert. Es wird so getan, als sei Werbung die reinste Magie – Hypnose, Hexenwerk, ein schleichendes Gift, dem wir uns nicht entziehen können, trickreich und subtil.

Aber in Wahrheit ist Werbung meist alles andere als das. Werbung für Waschmittel und Haushaltsreiniger ist heute wie vor 50 Jahren Werbung mit adretten Hausmütterchen. Werbung für Camembert ist heute wie vor 50 Jahren Werbung mit einem netten französischen Onkel mit Baskenmütze (der sprischt mit aine liebenswerté frohßösisch Akßoh). Daran ist aber mal gar nichts innovativ, clever oder gewitzt.

Und Werbung im Internet ist erst recht dröge. Werbung im Internet ist in den meisten Fällen: Viel blink-blink, viele Ausrufezeichen, viel Fettdruck, viele knallige Schlagwörter. Subtil, einschmeichelnd und dezent ist definitiv anders. Werbung im Internet setzt ganz altmodisch auf penetrantes Auffallen. Dabei ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass es sehr wohl kontraproduktive Werbung gibt und das Motto »Hauptsache im Gedächtnis bleiben!« nicht gilt. Werbung mit dem Holzhammer kann vergraulen, weil sie im Gedächtnis als schlechte Erfahrung abgespeichert wird.

Die Diskussion um den Schaden und Nutzen von Werbeblockern greift aber noch aus einem andern Grund zu kurz. Sie lässt nämlich außer Acht, dass die mit der Platzierung von Werbung befassten Firmen häufig ausgesprochen ungeschickt und einfallslos vorgehen. Und Werbung, die gar nicht erst geschaltet wird, muss auch von keinem Werbeblocker ausgeblendet werden.

So habe ich für diesen Blog mal eine Weile lang Anfragen bekommen, und alle hatten das gleiche Muster: »Guten Tag, wir vertreten eine namhafte Firma aus dem Bereich des Sports und würden gern Artikel bei Ihnen platzieren/wüssten gern, ob Sie Artikel für uns schreiben würden.«

So, und schon an dieser Stelle sage ich mir folgendes: Wenn ich der seriöse offizielle Vertreter einer namhaften Firma bin, die gute Produkte hat, was soll dann dieses Rumgedruckse? Warum diese Scheu, das Wort »Werbung« zu nennen? Warum nicht klipp und klar: »Mein Name ist A, ich habe Position B bei Firma C inne und wir vertreten Konzern D im Bereich des Online-Marketings und würden gern Werbung für Produkt E bei Ihnen schalten.«?

Sobald ich zudem mehr als einmal Nachfragen zum angedachten Ablauf hatte, wirkte es stets, als sei nur mit dem virtuellen Schleppnetz nach Blogs zum Thema Fußball gesucht worden in der Hoffnung, Betreiber zu finden, die ihre Seiten blind mit Werbung vollhauen wollen – ohne Fragen nach Kleingedrucktem, nach Transparenz für Leserinnen und Leser und mutmaßlich auch ohne Fragen nach dem tatsächlichen Nutzen.

Ich habe den Eindruck, der Wille, mich wirklich an Bord holen zu wollen, mich von einer Zusammenarbeit zu überzeugen, war in der Regel nicht sonderlich ausgeprägt. Meine Nachfragen scheinen lästig gewesen zu sein. Dabei waren sie nicht einmal Misstrauen geschuldet sondern schlicht der Tatsache, dass Internetwerbung neu für mich ist.

Einmal sollte ich meine Texte beispielsweise zuerst exklusiv einem Online-Portal zur Verfügung stellen. Leider fanden sich die per E-Mail gemachten Zusagen (keine Änderung an den Texten etc.) dann aber nicht im Vertrag.

Auch eine Mitarbeit an der Übersetzung einer Biografie von José Mourinho wurde mir angetragen: Zwei Wochen Zeit für eine kaum zu bewältigende Anzahl an Wörtern, den Rest hätte ein halbes Dutzend anderer, mir unbekannter Übersetzer machen sollen, zu denen ich keinen Kontakt gehabt hätte. Exakt zu diesen Bedingungen wurde schon die Übersetzung der Biografie von Steve Jobs zielsicher an die Wand gefahren. Aber wenigstens wäre die Bezahlung schlecht gewesen.

Überhaupt, die Bezahlung: So denn eine geboten wurde, lag sie unter den marktüblichen Preisen, sofern ich nicht ohnehin nur für etwas so Lächerliches wie einen Linktausch arbeiten sollte.

Manchmal bekam ich Links zu Videos mitgeschickt. Oder ein paar Bildchen. Oder vielleicht noch einen Text, wie toll doch dieses oder jenes Produkt oder Buch oder Projekt ist – was ja auch alles durchaus so sein kann. Nur wurde es mir eben immer einfach so zugeschickt, zwar bisweilen fröhlich trällernd in der Anrede, aber insgesamt nie so, dass mir klar gewesen wäre: Was genau will der potenzielle Werbekunde und was, bitte, bringt es mir?

Das lässt für mich nur den Schluss zu, dass ich die Texte und Artikel nach dem Willen der Anbieter offenbar einfach unverändert, ungeprüft und nicht vom redaktionellen Inhalt getrennt auf die Seite packen, Vollzug melden und dann auf mein Leckerli in Form von »Reichweite«, Klicks oder Likes hätte warten sollen.

Da mich das alles nicht überzeugt (sondern eher verunsichert) hat, haben wir die fraglichen Artikel dann schließlich in die Rubrik News verfrachtet, sie mit dem Hinweis »Anzeige« versehen und zusätzlich dazu geschrieben, dass es sich um werbliche Beiträge von Kooperationspartnern handelt. Inzwischen kommen keine Anfragen mehr.

Dabei ist es nicht so, dass ich mich generell gegen Werbung sperren würde oder etwas dagegen hätte, mit den Flankengöttern wenigstens mal ein bisschen Geld zu verdienen. Das würde immerhin auch Motivation und Möglichkeit verbessern, mehr zu schreiben.

Es ist auch nicht so, dass ich keine PR- oder Pressetexte schreiben, Produkte bewerben, Unternehmen portraitieren oder generell Leute oder Sachen »gut aussehen« lassen könnte.

Nur ist es meine Art, das dezent und transparent zu tun. Ich will meinen Leserinnen und Lesern keine versteckte Werbung unterjubeln. Ich bin der Meinung, wenn ein Produkt gut und wenn Werbung hoch kreative, seriöse Arbeit ist, dann braucht man sie nicht zu kaschieren.

Von jemandem, der bei mir Werbung machen (oder meine Dienste für Werbung in Anspruch nehmen) will, erwarte ich entsprechend zunächst einmal, dass er mir auf Augenhöhe begegnet. Ich erwarte klare Aussagen. Ich erwarte, dass er zu dem steht, was er tut. Ich erwarte, dass Ross und Reiter genannt werden. Ich erwarte, als Geschäftspartner behandelt zu werden und nicht als jemand, der für ein paar Klicks alles tut.

Und ich erwarte natürlich, dass die Schatulle geöffnet wird. Denn klar kann ich mir Videos ansehen, mich in Material einarbeiten und einen eleganten Text schreiben – wenn ich dafür angemessen vergütet werde.

Bevor man sich also über Werbeblocker beklagt, sollte man vielleicht vorher ansetzen und sich die Frage stellen, wie gut eigentlich die Leute sind, die Werbung zu platzieren versuchen. Bei mir haben sie jedenfalls bislang nur den Eindruck hinterlassen, sich möglichst wenig Arbeit machen zu wollen. Oder, anders ausgedrückt: Sie haben nicht gut genug für ihre Werbung geworben.

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3 Antworten auf In eigener Sache: Warum dieser Blog werbefrei ist

  1. SLS sagt:

    Leckerli? Für ein paar Klicks alles tun? Jetzt verstehe ich das mit dieser nervigen Werbung endlich: Missglücktes Clickertraining! ;-)
    SLS

  2. Susanne sagt:

    Super Artikel, Mario! Du triffst den Nagel auf den Kopf. Das Gerede darum, wie wichtig Werbung für das Internet ist und dass wir ja alle davon profitieren, weil man den ganzen Kram sonst gar nicht finanzieren könnte – alle Argumente also, die Ad-Blocker-Nutzern (und damit auch mir) ein schlechtes Gewissen machen sollen -, sind vermutlich nur gut gemachte Lobbyarbeit derer, die die Werbung irgendwo auf unseren Blogs platzieren möchten. Mich erinnert das an die Diskussion um Werbung im Privatfernsehsendern. Es wird uns unterstellt, wir wollten alles für umme haben, und wenn dem so sei, dann sollten wir auch die Werbung zulassen. Beim Fernsehen habe ich die Wahl: Ich guck halt Programme an, für die ich sowieso schon zahle in Form von Gebühren und lasse die anderen bleiben. Ich wäre auch bereit, mehr für die Bereitstellung aller Annehmlichkeiten zu zahlen, die das Internet uns bietet. Dann könnte man das mit der Werbung nämlich lassen. Mein Telefonanbieter blendet mir ja auch kein Werbegeblubber Dritter ein, wenn ich telefoniere – eben weil ich für die Bereitstellung seiner Dienstleistung vorab schon zahle.

  3. Dirk sagt:

    Bei 99% derartiger Anfragen geht es doch gar nicht darum, visuelle Werbung zu schalten, sondern die wollen lediglich Links. Links sind die Währung im Netz, weil sie die verlinkten Websites in den Ergebnislisten der Suchmaschinen nach oben bringen. Man kann sie kaufen/verkaufen, mieten/vermieten, tauschen, oder im Gegenzug “Content” in Form von Artikeln anbieten; ob die Besucher der linkenden Website diese Links sehen oder nicht, spielt gar keine Rolle…

    Viele gute Projekte (und wer selbst eines oder sogar mehrere betreibt, weiß um den Aufwand, der dahintersteckt) würde es ohne auf diese Art erzielte Einkünfte gar nicht geben…

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