Jürgen Klopp tritt zum Saisonende bei Borussia Dortmund zurück

Ex und Klopp

Jürgen Klopp hört zum Saisonende als Trainer bei Borussia Dortmund auf. Das treibt merkwürdige Blüten. Der Daily Telegraph schickt auf die Schnelle einen Reporter, der die eigens anberaumte PK live bloggt, ohne allerdings Deutsch zu verstehen. Die deutschen Medien berichten von einem »Trainerbeben« oder – noch »origineller« – vom »Ende einer Ära«. Aber schon einen Tag später ist von der ganzen aufgeblasenen künstlichen Sensation nicht mehr viel übrig.

Nun ist er also weg, der Jürgen Klopp. Also, eigentlich ist er es ja noch nicht, eigentlich ist er noch da, bis zum Saisonende. Das sind noch sechs Spiele. Sprich, 18 Punkte, gleichbedeutend mit jeder Menge Auflauf- und Siegprämien, von denen ich als Blogger schon mit einem Bruchteil mehr als glücklich wäre. Und Pokalsieger kann der BVB ja ganz nebenbei auch noch werden. Es geht also noch um einiges an Geld und an sportlichen Zielen.

Aber die Medien schenken ab. Jürgen Klopp ist Geschichte, noch bevor die Saison abgepfiffen ist. Es gibt Abgesänge noch und noch, dazu so sinnige Dinge wie Bilderstrecken von »Kloppos« Brillen im Wandel der Zeit. Es waren einige und nicht eine einzige davon hat ihm wirklich gut gestanden, so viel zumindest steht fest.

Ansonsten bleibt festzuhalten, dass die deutsche Bundesliga eigentlich ein Trainerparadies ist. In München, in Dortmund, in Freiburg, in Frankfurt, in Augsburg, in Wolfsburg, in Mainz, in Leverkusen, in Bremen, in Paderborn, neuerdings sogar in Köln sitzen die sportlich Verantwortlichen fest im Sattel. Den Schnitt versauen in den letzten Jahren stets nur einige Vereine, die den Trainer in einer Spielzeit gleich mehrfach wechseln – so wie der Hamburger Sportverein. Der wäre wieder mal ein Kapitel für sich, aber, ganz ehrlich, mir fällt allmählich nichts mehr ein zu den Rothosen.

Wenn wir uns also das vermeintliche »Trainerbeben« mal genauer ansehen, so fällt auf, dass davon schon am nächsten Tag eigentlich nicht mehr viel übrig war. Fortuna Düsseldorf hat Frank Kramer als Trainer für die neue Saison vorgestellt. Das stand vorher schon fest. Alexander Zorniger wird den VfB Stuttgart nun doch nicht, wie zunächst gemeldet, ab der kommenden Spielzeit übernehmen. Thomas Tuchels noch vor der Dortmunder PK als fix gehandelte Klopp-Nachfolge samt millionenschwerem Vier-Jahres-Vertrag entpuppte sich als heiße Luft – ebenso übrigens wie zuvor schon das kolportierte angebliche Mega-Angebot für Tuchel aus Hamburg. Bleibt also ein angekündigter Trainer-Rücktritt zum Saisonende und eine Trainer-Neuverpflichtung an der Alster. Wer das als »Beben« bezeichnet, der backt bestimmt auch Kekse bei 182 Grad.

In der Folge wurde dann so ziemlich jeder Trainer gehandelt, auf den die spärlichen von Dortmund bekannt gegebenen Anforderungen (deutschsprachig und kein Zweitligatrainer) zutrafen: Markus Weinzierl aus Augsburg, Lucien Favre aus Gladbach (hat inzwischen klar dementiert), selbst Arsène Wenger von Arsenal London (come on, get a grip!).

Auffällig finde ich dabei die völlige Fähnchen-im-Wind-Mentalität der Medien. Nachdem Tuchel nun wenig überraschend nicht sofort als Klopp-Nachfolger bestätigt wurde, meldeten sich sofort die ersten Kommentatoren und orakelten, Tuchel sei – weil Klopp angeblich zu ähnlich – ohnehin nicht der richtige Mann für den BVB. Fragt sich nur, was die selben Leute sagen würden, wenn in der nächsten Saison tatsächlich ein ruhiger Gegenentwurf zu Klopp an der Dortmunder Seitenlinie stünde.

Ich hätte da jedenfalls auch noch so ein paar Vorschläge für die Trainer-Nachfolge in Dortmund: Holger Stanislawski zum Beispiel, von dem hat man doch lange nichts mehr gehört. Oder Armin Veh, der ist immerhin Meistertrainer. Oder Sami Hyypiä, der wäre das Kontrastprogramm zu Klopp. Oder Jens Keller, der hat mit Schalke noch eine Rechnung offen. Oder Joe Zinnbauer, der kann doch so gut emotionalisieren. Oder Lothar Matthäus, der hat so einen guten Draht zur Presse.

Und Jürgen Klopp selbst, von dem es zuletzt immer wieder hieß, er hinterfrage sich nicht genug und habe sich abgenutzt, der soll nun mit einem Mal wahlweise eine lame duck sein oder mit seinem Rücktritt das große Chaos bei der Borussia aus dem Pott heraufbeschwören. Hummels und Gündogan könnte es jetzt weg ziehen, heißt es, womöglich ihrem Noch-Lehrmeister hinterher, wenn und falls es diesen auf die Insel zieht. Wie es Klopp also macht, er macht es anscheinend falsch.

Kurz und gut: Es ist alles Kaffeesatzleserei. Die Fragen, die sich manch ein Sportjournalist jetzt so dringend stellt, sind im Grunde genommen die Fragen, die zur Zeit des alljährlichen großen Bilanzierens gegen Saisonende immer und für jeden Verein gestellt werden: Was war gut, was war schlecht? Wer kommt, wer geht und wie soll künftig gespielt werden?

Ob die im Zuge dieser Überlegungen getroffenen Entscheidungen zur »strategischen Ausrichtung« dann letztlich richtig sind, wird wie immer erst der Saisonverlauf zeigen. Spielt die Mannschaft erfolgreich, war alles gut – und wenn nicht, dann nicht. Das ist die grausame Einfachheit des Fußballs.

In diesem Sinne also: Weniger über die Zukunft spekulieren, mehr das Hier und Jetzt beobachten. Danke.

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