Kindertransfers in der Bundesliga

Nur keine Aufregung!

Der VfL Wolfsburg und die TSG 1899 Hoffenheim haben 13-Jährige »verpflichtet«. Und jetzt ist die Aufregung natürlich groß. Die Reaktionen reichen von Entrüstung über staatstragende Besorgnis um das Kindeswohl bis hin zu Vergleichen mit Lionel Messi. Dabei könnte man auch schlicht und ergreifend sagen, ein Jugendspieler hat den Verein gewechselt. Das kommt jedes Jahr tausendfach vor – und niemanden kümmert es.

Was die beiden Vereine gemacht haben, war keine Verpflichtung und erst recht kein Transfer. Es handelt sich bei den betreffenden Jungen auch nicht um blutjunge Südamerikaner, Japaner oder um Kinder aus sonstigen völlig fremden Kulturkreisen. Im Falle des nun in die Wolfsburger Jugend gewechselten Alexander Laukart geht es sogar schlicht nur um einen Spieler, der von Hamburg in Norddeutschland nach Wolfsburg in Norddeutschland geht.

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Fußballer oft wie Hauskatzen sind: Wie Stubentiger werden sie nie richtig erwachsen, weil sie rund um die Uhr betreut werden. Sie leben unter einer Käseglocke in einem Biotop, das mit dem wirklichen Leben wenig zu tun hat. Sie tun ihr ganzes junges, prägendes Leben das, was ihnen andere Leute sagen. Wenn ihnen ein Trainer sagt, sie sollen rechts herum laufen, dann laufen sie rechts herum. Bekommen sie einen neuen Trainer, der ihnen sagt, sie sollen links herum laufen, dann laufen sie links herum. Sagt ihnen ein Berater, sie sollen den Verein wechseln und steckt sie dazu schon mal vorsorglich in das Trikot ihres künftigen Arbeitgebers, dann lassen sie sich in das Trikot stecken und ablichten. Sie lernen, mit Medien umzugehen und wachsweiche, vorgestanzte Phrasen zu dreschen, sich bewerten zu lassen und halten es für selbstverständlich, selbst an Umfragen teilzunehmen und Kollegen in Aufsteiger, Absteiger und sonstige Schubladen und Kategorien einzuordnen.

Insofern kann man sicher trefflich darüber diskutieren, ob Fußball oder Leistungssport generell der Persönlichkeitsentwicklung förderlich ist. Andererseits: Wenn Eltern ihre Kinder mit zehn Jahren in ein Internat stecken, in dem sie mit Latein und Altgriechisch auf eine Laufbahn in den Eliten unserer Gesellschaft vorbereitet werden sollen, wenn Kinder im Vorschulalter bereits Mandarin lernen müssen, weil ihre Eltern glauben, sie so auf die globalisierte Welt vorbereiten zu müssen, ist das auch eine Art von Käseglocke, unter der ein gehöriger Druck herrscht.

Gleich völlig daneben ist es, von Kinder- oder Menschenhandel zu sprechen. Das ist so unverhältnismäßig und peinlich, wie der Protest gegen fehlende deutsche Politiker mit erhobenen Schuhen. Menschenhandel ist ein schwerwiegendes Verbrechen, dessen Opfer gegen ihren Willen verschleppt werden. Vereinswechsel im Fußball beruhen jedoch auf Freiwilligkeit.

Und selbst, wenn man das Beispiel des VVV Venlo heranzieht, der den einjährigen Baerke van der Meij »verpflichtet« hat: Andere Eltern gehen mit ihren Kleinkindern zum Babyschwimmen oder zum Kinderturnen; die van der Meijs haben ihren Sohn bei einem Fußballverein angemeldet. So what?

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