Watzke politisch, Barcelona grandios, Reporter schmerzfrei

Hereingabe vom 15. März 2012

Dortmunds Hans-Joachim Watzke trägt sich öffentlich mit dem Gedanken, der Europameisterschaft fern zu bleiben, um gegen die politische Situation in der Ukraine und namentlich die Inhaftierung von Oppositionsführerin Julija Tymoschenko zu protestieren. Hut ab! In Zeiten von Europa- und Politikverdrossenheit, ist dies das richtige Zeichen für Demokratie und freiheitliche Grundordnung. Es kann doch nicht sein, dass die Tötung von Straßenhunden im Vorfeld des Turniers einen größeren Sturm der Entrüstung auslöst als die Missachtung von Menschenrechten!

Der FC Barcelona hat Bayer Leverkusen im Achtelfinale der Champions League mit 7:1 vom Platz gefegt – und dabei nicht nur auf dem Platz beeindruckt. Trotz deutlicher Demontage eines hoffnungslos unterlegenen Gegners gab es keine Spottgesänge von den Rängen, kein höhnisches Winken mit Taschentüchern und keinerlei Überheblichkeit. Stattdessen wurde beim Ehrentreffer für die Deutschen applaudiert und Trainer Pep Guardiola gratulierte seinem Kollegen Robin Dutt. Das hatte Stil.

All jene, die Bayer Leverkusen jetzt in Bausch und Bogen verdammen, mögen sich im Gegenzug mal fragen, wie viel Stil das hat. Ich jedenfalls wüsste nicht, wie man den FC Barcelona in der momentanen Form aufhalten könnte. Die Tore der Spanier waren schlicht nicht oder kaum zu verteidigen. Bei mindestens drei Treffern hatte ich als Zuschauer schon abgeschaltet, weil ich nicht geglaubt habe, dass aus der jeweiligen Szene noch ein Tor entstehen kann. Am Ende war der Ball jeweils im Netz. Das verdeutlicht vielleicht auch den Unterschied zwischen Barcelona-Fußball und Bundesliga-Fußball.

Michael Skibbe hat sich über Berlins Manager Michael Preetz beklagt. Ich kann ihn verstehen. Die Bilanz seines Nachfolgers Otto Rehhagel – drei Spiele, zwei Niederlagen gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf – ist auch nicht gerade überragend, und trotzdem lässt Hertha schon fast propagandistisch Spieler in den Pressekonferenzen antreten, die dann erzählen, dass sie Rehhagel »zu hundert Prozent vertrauen« und von seiner »großen Erfahrung« profitieren. Nebenbei erfahren wir bei solchen Gelegenheiten dann auch noch, dass der Altmeister seinen jungen Schützlingen Tipps für langlebige Ehen gibt. Aber mal ehrlich: Wer will das wissen? – Letztlich helfen Hertha nur Punkte und nicht Sprüche, so platt wie der Weserstrand. Und Skibbe hätte es geholfen, wenn man für ihn auch mal so die Image-Maschine angeworfen hätte wie jetzt für Rehhagel.

Manchmal frage ich mich wirklich, wie verstrahlt einige Reporter sind, zum Beispiel die wandelnden Sport-1-Dosimeter Christian Ortlepp und Oliver Schwesinger. Da hat Bayern München jüngst zweimal sieben Tore geschossen und schon machen die beiden daraus das größte Comeback seit Lazarus. Uli Hoeneß hat völlig Recht, wenn er darauf verweist, dass noch vor Wochenfrist alle bei Bayern angeblich »Bratwürste« gewesen sind. Die tumbe Schmerzfreiheit, mit der Ortlepp hernach trotzdem noch weiterfragte, und mit der Kollege Schwesinger anschließend im Studio sein Drumsägen-Grinsen aufsetzte und über den »immer für einen Spruch guten« Bayern-Präsident lachte, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass da zwei völlig jenseits von Gut und Böse sind und gar nichts mehr mitkriegen.

Nicht, dass ich ihm irgendwas an Spitzzüngigkeit oder Schlagfertigkeit zutrauen würde, aber es wäre doch immerhin witzig gewesen, hätte Ortlepp die Steilvorlage genutzt und in Anspielung auf Hoeneß’ Fastfood-Werbung angemerkt, dass »Würschterl« doch ein lecker-nahrhaftes Qualitätsprodukt sind … Aber mal ernsthaft: Fastfood und Profifußball, das geht ja mal gar nicht. Und Fastfood und Spitzengastronomie auch nicht. Ich möchte mal wissen, was sich Alfons Schuhbeck dabei gedacht hat. Aber gut, der redet ja auch noch vorsintflutlich von Entschlackungskuren, obwohl jeder halbwegs moderne Ernährungswissenschaftler Ihnen heute sagen wird, dass es Schlacken nur in der Metallurgie gibt.

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FC Bayern: Angriff auf die Pressefreiheit?

Die Isar ist überschritten! Wie der FC Bayern »wulfft«

Vergangene Woche war es noch nur unlustig und unoriginell, wie sie in Dortmund alle abstritten, etwas mit der Meisterschaft zu tun haben zu wollen. Da hätte glatt »Witzekanzler« Philipp Rösler den Pressesprecher des BVB machen können. Und weil der FC Bayern sich zugleich auch von der Meisterschaft verabschiedete und Gladbach auch und Schalke auch, gab es mit einem mal kurzfristig überhaupt keinen Titelanwärter in Deutschland. Inzwischen jedoch ergibt sich ein anderes Bild: Willfährige Medien haben zwischenzeitlich die Kampfansagen für den FCB übernommen, bis dieser wieder zum für ihn typischen Selbstverständnis zurückgefunden hat. Weiterlesen

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Joachim Löws Auswahlkriterien in der Kritik

Muss i denn, muss i denn …

Franz Beckenbauer, die Lichtgestalt des deutschen Fußballs und Alleinverantwortlicher für alle Erfolge und alles Glück, das diesem Sport hierzulande je beschieden war und beschieden sein wird, hatte in seiner Zeit als Nationaltrainer überhaupt keine Bedenken, Affinität zu seinem Stammverein FC Bayern zu demonstrieren, wenn es um die Nominierung von Spielern ging. Ob Norbert Eder, Hansi Pflügler, Raimond Aumann, Hans Dorfner oder Dieter Hoeneß – was gut genug war für den deutschen Rekordmeister war grundsätzlich auch gut genug für die deutsche Nationalelf. Weiterlesen

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Rehhagel in Berlin, Magath auf Schalke

Hereingabe vom 22. Februar 2012

Hertha BSC hat Otto Rehhagel als neuen Trainer bis zum Saisonende verpflichtet. Für mich ist das ein toller Coup. Berlins in die Kritik geratener Manager Michael Preetz hat es wunderbar verstanden, sich damit aus der Schlusslinie zu nehmen, und wir Fußballfans dürfen uns auf einen echten Altmeister freuen. Ja, vielleicht führt die Rückkehr von »König Otto« auch dazu, dass man sich an manch anderen ins Hintertreffen geratenen guten Trainer erinnert und ihm wieder eine Chance gibt, auch wenn er vielleicht jahrelang nicht mehr in der Bundesliga tätig gewesen ist. Davon gibt es nämlich eine ganze Menge. Und Rehhagel beweist ja gerade, dass man auch nach zwölf Jahren noch absolut auf dem Laufenden sein kann.

Schalkes Erfolg sei die Bestätigung seiner Arbeit, hat Felix Magath vor dem Spiel seines VfL Wolfsburg gegen die Königsblauen verlauten lassen. Nun ist das keine wirklich überraschende Aussage. Erstens entspricht sie Magaths Selbstsicht und zweitens ist sie logisch: Wenn man seinem ehemaligen Verein einen Kader mit deutlich über 30 Spielern hinterlässt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zehn davon in der Anfangsformation stehen, nun mal zwangsläufig recht hoch.
Ach ja, und Manuel Neuer hätte er nicht verkauft, sagt Magath. Das ist leicht behauptet, weil nicht nachprüfbar. Schalkes Fans jedenfalls quittierten es auf ihre Weise. Sie skandierten: »Nie mehr Felix Magath!«
Das war ein verbaler Stinkefinger aus vielen tausend Kehlen.

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Angeblicher Gladbacher Ausverkauf

Gladbacher Götterdämmerung?

Hach ja. Die Gerüchteküche brodelt mal wieder. Nachdem es zur Winterpause nach der frühzeitigen Bekanntgabe der Wechsel von Marco Reus (zu Borussia Dortmund) und Roman Neustädter (zu Schalke 04) nicht geklappt hat, Unruhe bei Borussia Mönchengladbach zu erzeugen und der VfL sogar tabellarisch noch besser dasteht als zum vergleichbaren Zeitpunkt der Hinrunde, wird nun eben anderweitig zu zündeln versucht. Statt Informiertheit beweisen einige Medien damit aber nur, wie parteiisch sie sind. Weiterlesen

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Mario Basler: Als Provokateur ein nützlicher Idiot

Mario Baslers Matthäus-Passion

Wenn man Mario Basler um eine Selbsteinschätzung bäte, würde er sich sicherlich als jemand charakterisieren, er sich nicht den Mund verbieten lässt, der klare Kante fährt und ungeschminkt seine Meinung sagt. Das wäre er vielleicht auch – so er denn nicht ständig nur das täte, was von ihm erwartet wird. Tatsächlich nämlich sind Baslers Sprüche gähnend langweilig, weil immer gleich und abgedroschen. Seine klare Kante ist Schwarzweißmalerei, seine ungeschminkte Meinung von Visagisten des Boulevards für die Stammtische »aufgehübscht«. Basler ist ein Rollenspieler in des Wortes schlechtestem Sinne. Er dampf- bzw. rauchplaudert ganzjährig auf Büttenredenniveau, dass es eine Pracht ist – und scheint nicht zu merken, dass er damit geradewegs den Lotharsweg entlang pilgert. Weiterlesen

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Das Problem Podolski

Köln: Alles Schlampen außer Mutti Poldi

Lukas Podolski hat – nicht zum ersten Mal übrigens – ein Interview gegeben und sich darin über nicht gehaltene Zusagen seines Vereins 1. FC Köln beklagt. Beschwören kann ich es nicht, aber ich möchte fast wetten, ähnliche Aussagen gab es von »Prinz Poldi« auch schon vor seiner letzten Vertragsverlängerung in der Domstadt. Vielleicht wurde sogar wieder mal Fragen-Recycling betrieben. Doch sei es, wie es sei: Podolski kann sich solche Interviews aus dem Krankenstand erlauben, denn Kölns Anhänger verzeihen ihm einfach alles. Dabei ist ihr Stürmerstar vielleicht weit eher das Problem als die Lösung. Weiterlesen

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Gesichtsverletzungen in der Bundesliga – Zufall?

Die Knochenbrecher

Ich habe eine Theorie. Zugegeben, eine gewagte, aber dennoch eine, die so leicht nicht von der Hand zu weisen ist, wie ich finde. Diese Theorie besagt, dass die große Zahl der Gesichtsverletzungen in dieser Saison mitnichten Zufall und das Ergebnis normaler Zweikämpfe ist. Denn Zweikämpfe werden auch im Training geführt – und trotzdem geht nicht jede Woche irgendwo ein Spieler mit lädierter Nase, gebrochenem Kiefer oder aufgeplatzter Augenbraue aus den Einheiten hervor. Weiterlesen

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Kindertransfers in der Bundesliga

Nur keine Aufregung!

Der VfL Wolfsburg und die TSG 1899 Hoffenheim haben 13-Jährige »verpflichtet«. Und jetzt ist die Aufregung natürlich groß. Die Reaktionen reichen von Entrüstung über staatstragende Besorgnis um das Kindeswohl bis hin zu Vergleichen mit Lionel Messi. Dabei könnte man auch schlicht und ergreifend sagen, ein Jugendspieler hat den Verein gewechselt. Das kommt jedes Jahr tausendfach vor – und niemanden kümmert es. Weiterlesen

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Torhüterwechsel in Deutschland

Deutschland, deine Torhüter

Es schon enorm, was sich im vergangenen Jahr und speziell in dieser Saison zwischen den Pfosten der Bundesligisten alles getan hat. Auf keiner Position hat es so viele Veränderungen gegeben wie auf der des Torhüters. Für mich ein Grund, die Verschiebungen zum Jahresauftakt 2012 noch einmal Revue passieren zu lassen. Weiterlesen

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