Pep Guardiola und sein angeblicher Machtkampf mit Müller-Wohlfarth

Guter Pep, böser Guardiola

Uli Hoeneß hat einmal gesagt, sein erklärtes Ziel sei es, dass der FC Bayern München jeden Tag in der Zeitung steht. Daran muss ich immer wieder denken, wenn von der Säbener Straße mal wieder viel Lärm um nichts ausgeht. So wie zuletzt in der »Affäre« um den möglicherweise dann doch bald wieder Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth.

Rückblick: Gerade einmal eine Woche ist es her, da war Welt-Wunder-Trainer Pep Guardiola plötzlich »angezählt«. Der Guru seiner Zunft, der Gottvater der Übungsleiter, der Meister aller Klassen, der Neuerfinder des Fußballs, der Unfehlbare – auf einmal soll er vor »Schicksalsspielen« gestanden haben, gar vor Rauswurf oder Rücktritt.

Was war passiert? – Der FC Bayern München hatte das Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Porto durch drei grobe Schnitzer der Routiniers und Weltmeister Dante, Xabi Alonso und Jerome Boateng verloren. Wer vorher auf diese denkbar unwahrscheinliche Häufung, diesen statistischen Ausreißer gewettet hätte, wäre wohl reich geworden. Obendrein benötigte der deutsche Rekordmeister im Rückspiel lediglich ein 2:0 zum Weiterkommen – kein fußballerisches Wunder, wie Spieler Thomas Müller ganz richtig anmerkte. Medial schien der FC Bayern trotzdem vor der Götterdämmerung zu stehen, denn die sportliche Niederlage war ja noch nicht alles.

Nein, es kam auch noch der Rücktritt von Vereinsarzt Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth hinzu, der, wie wir jetzt wissen, innerhalb der »Bayern-Familie« offensichtlich »Mull« genannt wird. An sich ist das ein Vorgang, den man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss: Ein in verantwortungsvoller Position Beschäftigter des Vereins schmeißt in der heißen Phase der Saison von jetzt auf gleich die Brocken hin. Seine Mitarbeiter nimmt er mit. Und damit ihm sein Arbeitgeber nicht mit so was Lästigem kommt wie Arbeitsverträgen und Pflichterfüllung, setzt der Beschäftigte ihm mit einer medienwirksamen Presseerklärung die Pistole auf die Brust.

In der Folge war dennoch fast nur von einem »gewonnenen Machtkampf« Guardiolas die Rede, der sich in einem schon länger schwelenden Zwist mit dem langjährigen Vereinsarzt durchgesetzt habe. Es hieß aber auch, der Spanier sei knallhart und rücksichtslos, schere sich nicht um die Verdienste geschätzter Mitarbeiter und die Gepflogenheiten des FC Bayern München.

Damit konfrontiert (oder auch nicht), bezog Guardiola eindeutig Stellung. Er übernahm die alleinige Verantwortung. Nicht die medizinische Abteilung sei Schuld an der Niederlage, so der Spanier, sondern er als Trainer. Manch ein Reporter wertete aber auch das als Ausdruck eines übersteigerten Egos. Bundesliga aktuell auf Sport1 etwa zeigte Guardiola während seiner Ausführung aus hektisch wechselnden Kameraperspektiven. Oft war nur ein Ausschnitt des permanent ruckenden Kopfs des Spaniers zu sehen, bevorzugt jener Fleck auf seiner hohen Stirn, in dem sich das Scheinwerferlicht spiegelte. Die Botschaft sollte wohl lauten: Guardiola ist nervös. Guardiola stammelt.

Ich weiß ja, dass es mit der sprachlichen Kompetenz in diesem Lande nicht mehr unbedingt weit her ist, aber offensichtlich vergessen viele Leute gern, dass sich Pep Guardiola mit Deutsch nicht in seiner Muttersprache bewegt. Wenn er sich also zum Rücktritt Müller-Wohlfarths nur in knappen Worten geäußert hat, muss darin keine Geringschätzung liegen. Es kann auch schlicht und ergreifend damit zu tun haben, dass sich der Katalane Guardiola in der Fremdsprache Deutsch nicht sicher genug fühlt, seinen Respekt gebührend auszudrücken. Schließlich wurde ihm der lapidare Satz »Bundesliga iss borbai!« auch schon um die Ohren gehauen.

So oder so, es spielt keine Rolle mehr, denn am Dienstag hat der FC Bayern München das Rückspiel gegen den FC Porto mit sage und schreibe 6:1 gewonnen. Sport1.fm machte daraus in seinem Überschwang übrigens gleich »Das Dutzend des FC Bayern zum Nachhören«, auch wenn es gerade mal ein halbes Dutzend war. Kann ja mal vorkommen.

Jedenfalls ist Guardiola, der vorher noch so etwas wie ein Diktator und machtgeiler Totengräber der Münchener war und dem selbst ein Ausscheiden gegen Real Madrid (!) im Halbfinale (!) der Champions League (!) zum Vorwurf gemacht wurde, nun wieder der strahlende Held und niemand hat je etwas anderes behauptet. Guardiola-Musterschüler Thiago ist die beste Bayern-Verpflichtung aller Zeiten und überhaupt: Alles super-super.

Auch das mit Müller-Wohlfarth ist jetzt plötzlich alles zehn Nummern kleiner. Was Wunder, denn die Wahl des Arztes kann der FC Bayern seinen Spielern ohnehin nicht vorschreiben. Sie werden also im Zweifelsfall auch weiterhin die endlos langen sieben Kilometer vom Trainingsgelände zu »Mull« in seine Praxis nach München fahren, während die Akutversorgung vor Ort gegebenenfalls von einem anderen Mediziner übernommen wird. Karl-Heinz Rummenigge hat unterdessen bereits kräftig schalmeit, Müller-Wohlfahrt als »Teil der Bayern-Familie« gepriesen und ihm den roten Teppich für eine eventuelle Rückkehr ausgerollt. Kurz gesagt: Es bleibt alles wie bisher.

Sieht also ganz so aus, als habe der Verein da nur mal wieder im Gespräch bleiben wollen.

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