Rotation: Bayern München verliert gegen FC Augsburg

Geschwätz von gestern

Seit Samstag ist klar, wie viel Ehrgeiz der FC Bayern München daran legt, aus dieser Saison eine historische ohne Niederlage zu machen: gar keinen. Kaum ist die deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach, rotiert Trainer Pep Guardiola seine Mannschaft in eine Niederlage – und seine geschonten Spieler verbreiten gut gelaunt Selfies dazu.

Natürlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass noch vor Wochenfrist über die mit viel Geld erkaufte Dominanz des FC Bayern München in der Bundesliga gestöhnt wurde und nun, da er mal verloren hat, ist es irgendwie auch niemand recht. Das ist vor allem dem FC Augsburg gegenüber allemal ungerecht, der das geschafft hat, was der FSV Mainz 05, der VfL Wolfsburg und Hertha BSC trotz beherzter Auftritte nicht geschafft haben.

Und natürlich hat auch schon der die Bayern jetzt kritisierende Frankfurter Trainer Armin Veh aus taktischen Erwägungen heraus Spieler geschont, denen eine Gelbsperre drohte (just gegen den deutschen Rekordmeister nämlich). Allerdings hat Armin Veh auch nie geglaubt, der ganzen Liga altkluge Vorträge über modernes Training, Seriosität und Professionalität halten zu müssen.

Es hat ja auch niemand was dagegen, dass der FCB als vermutlich letzter deutscher Vertreter in der Champions League Prioritäten auf die Königsklasse setzt. Es stört sich auch niemand daran, dass Pep Guardiola endlich einmal Talenten eine Chance gibt. Aber den offensiven Mittelfeldspieler Mitchell Weiser mal eben spontan zum Rechtsverteidiger umzufunktionieren – zumal dann, wenn auf der anderen Seite mit Ylli Sallahi auch noch der etatmäßige Linksverteidiger der Regionalligamannschaft spielt – war dann offensichtlich der Experimente zu viel. Es hätte mannigfaltige andere Möglichkeiten gegeben, den Herren Weihrauch, Weiser, Green und Höjbjerg unter der Saison Spielpraxis in der ersten Mannschaft zu verschaffen. Wahrscheinlich hätte es noch nicht mal die historische März-Meisterschaft gefährdet. Und falls doch: Was wäre so schlimm daran gewesen?

Dass die Bayern jetzt den Belastungsnotstand ausrufen, weil vor dem Spiel gegen Augsburg zusätzlich zu dem langzeitverletzten Holger Badstuber zwei weitere Spieler ausfielen und Bastian Schweinsteiger und Javi Martinez gegen den englischen Rekordmeister gesperrt fehlen werden, ist gleich völlig lächerlich, wenn man sich den Krankenstand von Borussia Dortmund (6 dauerhaft Verletzte), Schalke 04 (9), des 1. FC Nürnberg (6) oder des Hamburger SV (6 dauerhaft Verletzte plus diverse gerade erst genesene oder sich mit nie ganz auskurierten Blessuren durchschleppende Spieler) ansieht. Immerhin sollte man doch glauben, der FC Bayern München könne die Belastung mit seinem überlegenen Training so steuern, dass die Mannschaft eine englische Woche mühelos verkraftet.

Die Rotation gegen den FC Augsburg zeigt letztlich zweierlei: Erstens, dass beim FC Bayern München nur einer das Sagen hat, und das ist Trainer Pep Guardiola. Den Spanier kümmert es offenbar herzlich wenig, wenn er mit seiner Auf- und Einstellung die Predigten seines Sportvorstands Matthias Sammer konterkariert. Selbiges gilt für die Spieler und die von ihnen gewählte Form der Außendarstellung für die sozialen Netzwerke.

Zweitens reiht die Vorstellung des FCB in Augsburg die Aussagen Sammers nahtlos ein in die lange Reihe aus Geschwätz von gestern, das schon kurz darauf niemanden im Verein mehr interessiert. Uli Hoeneß erklärte einst, die Münchener würden »diesen Transferwahnsinn« niemals mitmachen. Danach holten sie Manuel Neuer, Franck Ribéry und Mario Gomez für je 20 Millionen Euro und mehr an Ablöse, Javi Martinez für 40 und Thiago Alcántara für 25.

Uli Hoeneß war es auch, der sich erst medienwirksam um die Spannung in der Bundesliga sorgte, um Hauptkonkurrent Dortmund dann postwendend den vielleicht wichtigsten Offensivspieler Mario Götze für 37 Millionen Euro Ablöse abzujagen. Stürmer Robert Lewandowski folgt kommende Saison, obwohl Pep Guardiola mit seinem Spielertypus eigentlich nichts anfangen kann.

Last but not least regte sich der ehemalige Bayern-Präses einst lautstark darüber auf, dass Spieler wie Lukas Podolski oder Bastian Schweinsteiger zu früh hochgejubelt würden. Fast zeitgleich erklärte er den damaligen Münchener Ersatztorhüter (!) Michael Rensing schon zum künftigen Schlussmann der Nationalmannschaft, noch bevor dieser überhaupt die Nachfolge von Oliver Kahn angetreten hatte. Wozu dieser Druck führte, ist bekannt. Rensing ist heute zweiter Mann zwischen den Pfosten von Fortuna Düsseldorf (und – welche Ironie – die Bayern haben inzwischen mit Manuel Neuer just einen der Torhüter verpflichtet, die Hoeneß seinerzeit hinter Rensing einordnete).

Was immer der FC Bayern München also in dieser Saison oder mit Blick auf die kommende noch verlauten lassen wird, man sollte wohl nicht so viel darauf geben.

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