Saisonrückblick 2013/2014, Teil 1: Meister FC Bayern München

Neues aus Absurdistan

So früh Meister wie nie, dazu das Double verteidigt und in der Champions League immerhin bis ins Halbfinale gekommen: Der FC Bayern München der Saison 2013/2014 wurde erst hochgejubelt und dann niedergekrittelt.

Wenn ein neuer Trainer zum FC Bayern München kommt, ist das immer ein Medienereignis. Wenn es ein neuer ausländischer Trainer ist, um so mehr. Louis van Gaal konnte sich in seiner Münchener Zeit (auch) als Fernsehstar inszenieren und seine eigene zweibändige Biografie promoten. Zwischenzeitlich fiel er dann zwar, wie zu erwarten war, in Ungnade, aber nun, als erfolgreicher niederländischer Bondscoach und künftiger Trainer des englischen Rekordmeisters Manchester United, haben die Medien ihn gnädig wieder in ihre Arme geschlossen. Schließlich gilt es, mit dem Mann künftig bei der WM und in der Champions League noch auszukommen. Van Gaal seinerseits spielt das Spiel mit, gibt sich umgänglich wie selten und lobt seine ehemaligen Spieler über den grünen Klee.

So war es auch schon bei Giovanni Trapattoni. Alles, was der italienische Maestro trainieren ließ, wurde als Neuerfindung des Rades gepriesen. Wenn er Mehmet Scholl sagte, der schnellste Spieler sei der Ball, war das eine Erleuchtung. Wenn er Christian Ziege anwies, einen Ball mit rechts anzunehmen und mit links weiterzuspielen, ebenso. Dabei hätte beides ebenso gut auch von Kunibert Klotzfuß aus der Kreisliga stammen können. Eine radebrechende Wutrede, die Traps sonstiger Eloquenz in keiner Weise gerecht wird, verselbständigte sich zum Bild des netten Onkels, der in seiner Wut ganz niedlich ist.

Vielleicht hätten sie Pep Guardiola also warnen sollen beim FC Bayern, was bei unbedachten Äußerungen auf ihn zukommen kann. Denn der Spanier hielt zwar keine Wutrede, sagte aber immerhin diesen ominösen Satz, der ihm danach fortwährend um die Ohren gehauen werden sollte: »Die Bundesliga ist vorbei.«

Es war nichts weiter Guardiolas Erklärung für einen gewissen Leistungsabfall seiner Spieler in der Meisterschaft und seine eigenen Aufstellungsexperimente. Es war ihm danach durchaus anzumerken, wie sehr ihn die Wucht der Reaktionen auf eine eigentlich ja ganz lapidare Feststellung verwirrte.

Das liegt allerdings vielleicht auch daran, dass es eine dieser 180-Grad-Wenden der deutschen Sportmedien war. Guardiola war angekündigt worden als »Welttrainer«, der »perfekt deutsch« sprechend nach München kommen würde. De facto entpuppte er sich sprachlich als Mischung aus Trapattoni und Rainer Brüderle, erreichte die Mannschaft aber offensichtlich dennoch. Der FC Bayern marschierte durch Liga, Pokal und Champions League, und wenn es wider Erwarten doch mal nicht so lief, kam die Elf taktisch verändert aus der Kabine. Heißt: Guardiola konnte sich offensichtlich verständlich machen.

Die Bayern spielten nicht unbedingt schön, aber erfolgreich. Das genügte, um die mediale Speichelleckerei ins Absurde zu übersteigern. Sport1 vermeldete jauchzend, Guardiola lasse doch im Training tatsächlich 5 gegen 2 spielen. Auf seiner Facebook-Seite postete der Sender irgendwann sogar einen 30-sekündigen Clip, mit dem Guardiola dafür abgefeiert werden sollte, dass er während des Trainings einen Spielzug unterbrach, um seinen Spielern etwas zu erklären. Ein Trainer, der trainieren lässt! Wann hatte es so was schon mal gegeben?

Aber natürlich fanden sich neben amüsierten Kommentaren auch unter diesem Beitrag die üblichen Sprüche vom Kaliber »Nur der FCB!«. Sie waren in gewisser Weise die Vorboten des absurden Theaters, das sich später in der Saison abspielen sollte, als Uli Hoeneß seinen Auftritt bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München hatte. Ein Steuerbetrüger ließ sich feiern, wurde gefeiert und danach auf Schritt und Tritt begleitet: Hoeneß im Stadion (zur Erinnerung: auf Steuerhinterziehung steht kein Stadionverbot – nirgendwo!), Hoeneß hier, Hoeneß da, Hoeneß beim Haftantritt. Natürlich wurde der ehemalige Bayern-Präsident dabei nicht gesehen und nicht gefilmt, aber das hinderte trotzdem niemanden daran, das beim Medientermin in der JVA Landsberg aufgenommene Material wieder und wieder und wieder zu senden.

Zwischenzeitlich trat auch mal wieder das Sportliche in den Vordergrund. Bayern München schied im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid aus. In der Folge wurde offenbar, dass offensichtlich wirklich viele Leute geglaubt hatten, der Champions-League-Titel, der noch nie verteidigt wurde, sei so etwas wie eine Selbstverständlichkeit.

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass die Feierlichkeiten beim FC Bayern München arg uninspiriert ausfielen. Anspruch hin oder her – es ist doch absurd, wenn das Double aus Meisterschaft und Pokal schon nichts Besonderes mehr ist.

Im Übrigen wäre der FC Bayern aber wohl nicht der FC Bayern, wenn er nicht permanent im Gespräch zu bleiben versuchte. Auf das fälschlicherweise nicht gegebene Dortmunder Führungstor im Pokalfinale reagierte der deutsche Rekordmeister, indem er öffentlichkeitswirksam einen weiteren Vorstoß zur Einführung der Torlinientechnik ankündigte …

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Bundesliga, Mannschaften, Medien, Trainer veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>