Saisonrückblick 2013/2014, Teil 2: Vizemeister Borussia Dortmund

Best of the Rest

Als Borussia Dortmund den FC Bayern München zum Saisonauftakt im Supercup bezwang, keimte kurz Hoffnung auf, dass es mit den von Jürgen Klopp befürchteten »schottischen Verhältnissen« in der deutschen Bundesliga möglicherweise doch noch nicht so weit sein könnte. Am Ende der Spielzeit hatte der BVB als Tabellenzweiter jedoch satte 19 Punkte Rückstand auf den deutschen Rekordmeister. Eine Bilanz fällt angesichts dessen schwer.

Den Supercup gegen die Bayern gewonnen, das Heimspiel gegen den Münchener Rivalen mit 0:3 in den Sand gesetzt, das Pokalfinale erreicht, aber mit 0:2 nach Verlängerung gegen den FCB verloren, das Auswärtsspiel in der Allianz-Arena (gegen allerdings nachlassende Hausherren) wiederum deutlich gewonnen, dazu in der Champions League um ein Haar verhindert, dass der deutsche Rekordmeister auf Real Madrid trifft.

Wie also ist sie einzuordnen, die Bilanz 2013/2014 von Borussia Dortmund?

Tatsache ist, sie haben in Dortmund enorm viele Nackenschläge wegstecken müssen – und auf viele dieser Nackenschläge wieder mal die richtige Antwort gegeben. Es erwies sich als richtig, den abwanderungswilligen Robert Lewandowski zu halten und ablösefrei ziehen zu lassen. Das (vermeintliche) Murren und Schmollen des Polen zu Saisonbeginn wurde von Jürgen Klopp geflissentlich überhört, Lewandowski blieb und blieb in der Spur. Er entwickelte sich nicht zum permanenten Unruheherd, sondern wurde am Ende sogar Torschützenkönig und von den BVB-Fans mithin wesentlich wohlwollender Richtung bayerische Landeshauptstadt entlassen als ein Jahr zuvor Mario Götze.

Dessen Abgang kompensierten die Dortmunder nicht mit dem Dänen Christian Eriksen, sondern mit einem Armenier namens Henrikh Mkhitaryan. Saisonbilanz: Neun Tore und neun Vorlagen in 31 Spielen. Das kann sich ebenso sehen lassen wie die 13 Tore und vier Vorlagen des von AS Saint-Etienne geholten Pierre-Emerick Aubameyang. Der spielt in der Nationalmannschaft Gabuns vornehmlich als zentraler Stürmer und half auf dieser Position sporadisch auch schon in seinem neuen Verein aus. Denkbar also, dass Aubameyangs Zukunft auch und verstärkt dort zu sehen ist, nachdem sich Julian Schieber in der abgelaufenen Saison nicht unbedingt als Alternative aufgedrängt hat.

Zum Saisonende vollzog Trainer Jürgen Klopp zudem einige taktische Schachzüge, die sich als Volltreffer erweisen sollten. Er zog Marco Reus in die Mitte und Mkhitaryan auf rechts. Erik Durm machte er – wie wir heute wissen – zum Nationalspieler, Oliver Kirch überraschend doch noch einmal zum vollwertigen Kadermitglied, Lewandowski zum Torschützenkönig. Die Dortmunder, die eigentlich angesichts des Verletzungspechs auf der Felge hatten fahren müssen, gingen so erstaunlich schwungvoll über die Ziellinie, und Klopp erwies sich einmal mehr als einer, der Lahme gehend machen kann – und vielleicht auch den geschickteren Umgang mit seinen Spielern hat. Mario Mandzukic in München hätte schließlich auch die Torjägerkanone holen können. Pep Guardiola verweigerte sie ihm.

Dennoch ist nicht gesagt, dass Borussia Dortmund automatisch besser und die Bundesliga wieder spannender wird, wenn Adrian Ramos und Ciro Immobile da und die vielen Verletzten wieder zurück sind. Denn das Comeback von Neven Subotic, Jakub Blaszczykowski, Marco Reus und Ilkay Gündogan etwa steht noch in den Sternen, für die zahlreichen deutschen und ausländischen Nationalspieler wird es nach der zweiten langen und anstrengenden Saison in Folge wegen der WM eine arg kurze Sommerpause.

Zudem steht zu befürchten, dass sich die Dortmunder entgegen aller Beteuerungen wieder und weiter von der Münchener Konkurrenz treiben lassen. Nervigster Aspekt an abgelaufenen BVB-Saison waren nämlich schon jetzt die medialen Scharmützel, die sich vornehmlich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mit diversen Vertretern der Vereinsführung des FC Bayern München lieferte. Nicht nur in der Kontroverse um Traditionsklubs und »Vereine aus der Retorte« zeigte sich Watzke obendrein wenigstens zwischenzeitlich immer mal wieder abgehoben und belehrend (etwa, wenn er behauptete, Eintracht Frankfurt und der Hamburger SV hätten viel bessere Rahmenbedingungen als der BVB). Viele Dortmunder Fans fanden, dass sich ihre Borussia damit auf ein Niveau begab, auf dem der FC Bayern München viel mehr Erfahrung hat.

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Eine Antwort auf Saisonrückblick 2013/2014, Teil 2: Vizemeister Borussia Dortmund

  1. Am 13. August gibt es die Neuauflage des Supercups 2013. Aber es lohnt sich für Borussia wahrscheinlich doch nicht zu verlieren, um nachher in die Puschen zu kommen? ))

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