Saisonrückblick 2013/2014, Teil 4: Eintracht Frankfurt und SC Freiburg

Noch mal gutgegangen

Im vierten Teil des Rückblicks auf die Saison 2013/2014 geht es um Eintracht Frankfurt und den SC Freiburg – die beiden Vereine, die in der Spielzeit zuvor erst überraschend in die Europa League gekommen waren und der Doppelbelastung dann Tribut zollen mussten.

Ein Aufsteiger (Eintracht Frankfurt) und ein Abstiegskandidat (SC Freiburg) als Vertreter der Bundesliga in der Europa League 2013/2014. Darin kann man einen Beleg für die Ausgeglichenheit, Spannung und Durchlässigkeit der höchsten deutschen Spielklasse sehen – oder einen Beleg für nachlassendes Niveau. Der inzwischen etwas zum Großkopferten neigende BVB-Boss Hans-Joachim Watzke tendiert zu Ersterem, ich tendiere zu Letzterem.

Auffallend war jedenfalls, dass Frankfurt und Freiburg nicht nur im Gleichschritt ins internationale Geschäft marschierten sondern in der Saison darauf auch die gleichen Probleme bekamen. Aus dem Fünften und Sechsten der Bundesliga 2012/2013 wurden der 14. und 13. der Bundesliga 2013/2014. Und wie zuvor schon Borussia Mönchengladbach oder Hannover 96 machten international im wesentlichen nur die Fans der Vereine eine gute Figur. Sportlich gesehen war die Europa League kein Erfolg, wirtschaftlich eher ein Zuschussgeschäft und für den Alltag Bundesliga wegen der Doppelbelastung Gift.

Das Abenteuer Europa League endete für den SC Freiburg nach der Gruppenphase und für Eintracht Frankfurt eine Runde später. Danach berappelten sich beide Mannschaften in der Bundesliga so weit, dass sie – auch begünstigt durch schwächelnde Konkurrenz – relativ zügig den Klassenerhalt schafften. Das ist sicherlich kein Zufall.

Der SC Freiburg war dabei in gewisser Weise doppelt gestraft. Seine überragende Saison 2012/2013 hatte Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz geweckt. Die Breisgauer mussten Max Kruse (Gladbach), Johannes Flum und Jan Rosenthal (Frankfurt) sowie Daniel Caligiuri (Wolfsburg) abgeben – und ihre Einkaufspolitik war im Gegenzug nicht unbedingt überragend. Mike Hanke, aus Gladbach gekommen, funktionierte nicht und soll nach nur einer Saison wieder gehen. Vaclav Pilar, vom VfL Wolfsburg verpflichtet, kam in der Bundesliga gerade einmal sechs mal zum Einsatz. Rekordeinkauf Vladimir Darida (Viktoria Pilsen) deutete sein Potenzial an, hat aber noch Luft nach oben.

Es waren die Spieler aus der nahen Schweiz (Admir Mehmedi, Gelson Fernandes), die in Freiburg zündeten. Dazu kamen einmal mehr Spieler aus der eigenen Jugend, die in ihrer ersten oder zweiten Saison im Profifußball richtig durchstarteten: Matthias Ginter, Oliver Sorg, Christian Günter, Immanuel Höhn. Einer wie der Elsässer Jonathan Schmid geht da, obschon erst 23, fast schon als Routinier durch.

Freiburgs Pech: Der Ausverkauf geht weiter. In der kommenden Saison versucht sich Oliver Baumann als achter (!) Torwart allein in den letzten drei Jahren zwischen den Pfosten der TSG Hoffenheim. Der Verbleib von Ginter ist noch nicht sicher. Freiburgs Glück: Bundestrainer Joachim Löw belohnt die gute Jugendarbeit und sorgt für einen gewissen Nachteilsausgleich, indem er reihenweise Breisgauer zu Nationalspielern und damit teurer macht.

Eintracht Frankfurt hatte seine Mannschaft sehr geschickt mit guten Zweitligaakteuren (Kevin Trapp, Stefan Aigner, Martin Lanig, Takashi Inui, Carlos Zambrano) verstärkt und den Kader zunächst einmal zusammenhalten können. Doch nun trifft der Fluch der guten Tat auch die Eintracht, gewissermaßen mit Verzögerung. Sebastian Rode zieht es vor, beim FC Bayern München viel zu verdienen und wenig zu spielen. Sebastian Jung schließt sich dem VfL Wolfsburg an, Pirmin Schwegler geht nach Hoffenheim, der beste Torschütze Joselu zu Hannover 96.

Das mag mit ein Grund gewesen sein, warum Trainer Armin Veh zu Jahresbeginn verkündete, seinen Vertrag in Frankfurt nicht zu verlängern. Es spricht für die Eintracht, dass sie in dieser Personalfrage anschließend ruhig geblieben ist. Immerhin waren Vehs Äußerungen nicht unbedingt glücklich, erklärte der Augsburger doch das Ende der Fahnenstange in Frankfurt erreicht und die dortigen Saisonziele nicht mit seinen persönlichen Ansprüchen vereinbar. Das hätte ihm auch gehörig um die Ohren fliegen können.

Inzwischen ist bekannt, dass Veh zurück zum VfB Stuttgart gehen wird, der noch mieser abgeschnitten hat als Eintracht Frankfurt und wo die Möglichkeiten (zumindest zunächst) bestimmt noch begrenzter sind. Die SG hat derweil die Verpflichtung des einstigen Bremer Erfolscoaches Thomas Schaaf bekannt gegeben. Mit Timothy Chandler kommt nach Marco Russ ein weiterer ehemaliger Frankfurter zurück und schließt die durch den Abgang von Jung entstandene Lücke.

Ach ja: Auch in Freiburg gab es zwischenzeitlich mal kurz so etwas wie eine Trainer-Baustelle – als sich der mittlerweile schon wieder entlassene Nürnberger Coach Gertjan Verbeek über Christian Streichs Verhalten während des Spiels beklagte nämlich. Ob an den Vorwürfen der massiven Verunglimpfung und Unsportlichkeit etwas dran ist, lässt sich nicht sagen. Zumindest aber erhielt Verbeek eine gewisse Bestätigung durch Mainz-Manager Christian Heidel. Streich, der anderen gern mal die Leviten liest und dabei sein Image als schrulliger Kauz vorschützt, um sich möglichst unangreifbar zu machen (»Merket Sie, wie des Interview läuft? Unglücklich!«), hat sich demnach selbst bisweilen nicht gut im Griff. Aber seine jungen Spieler folgen ihm offenkundig blind und das ist für Freiburg die Hauptsache.

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