Saisonrückblick 2013/2014, Teil 5: Vfl Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, FSV Mainz 05

Gewinner im Schneckenrennen

Kommen wir nun also von den Mannschaften, die in der abgelaufenen Saison in der Europa League dilettiert haben, zu denen, die es aller Voraussicht nach in der kommenden Spielzeit tun werden: VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und Mainz 05.

Keine dieser Mannschaften war im vergangenen Jahr schon international dabei. Das ist schlecht, weil damit der schon mehrfach angesprochene Gewöhnungsfaktor fehlt. Aber es hatte ja ohnehin den Anschein, dass niemand so recht in die Europa League wollte. Das pseudospannende vielzitierte »Schneckenrennen« um die zur Teilnahme an diesem Wettbewerb berechtigenden Plätze war im Grunde genommen ein Armutszeugnis. Ginge es bei der Platzierung in der Bundesliga nicht auch um Geld, ich glaube fast, die Klubs hätten die Ränge fünf bis sieben gemieden, wie der Teufel das Weihwasser.

Auch angesichts dessen muss sich der VfL Wolfsburg die größten Vorwürfe gefallen lassen, nicht mehr aus seinen Möglichkeiten gemacht und Bayer Leverkusen oder Schalke 04 noch abgefangen zu haben. Wer – obschon seit Jahren ohne Einnahmen aus dem internationalen Geschäft – einen Kader mit Diego Benaglio, Naldo, Ricardo Rodriguez, Diego, Ivica Olic und Ivan Perisic unterhalten kann, wer sich vor der Saison mit Luiz Gustavo verstärkt und im Winter noch mal eben mit Kevin de Bruyne und Junior Malanda, der muss die Krisen der Konkurrenz eigentlich besser ausnutzen und den Anspruch haben, Champions League zu spielen.

Allerdings war der VfL Wolfsburg 2013/2014 nicht allein eine Ansammlung großer Namen. Mit Maximilian Arnold und Robin Knoche mauserten sich zwei Spieler aus den eigenen Reihen zu Stammkräften. Vor allem, dass Knoche sich als Nebenmann von Naldo etablierte und eine sehr solide Saison spielte, ging fast unter.

Aber der VfL Wolfsburg wäre nicht der VfL Wolfsburg, wenn er nicht auch immer wieder eigene Talente ziehen lassen würde. In des Wortes doppeltem Sinne jüngstes Beispiel ist Julian Brandt, der ohne Einsatz bei den Wolfsburger Profis zu Bayer 04 Leverkusen ging und sich dort schnell in die erste Mannschaft spielte.

Für die kommende Saison hat sich der VfL schon jetzt namhaft verstärkt mit Sebastian Jung von Eintracht Frankfurt und Aaron Hunt von Werder Bremen. Es ist anzunehmen, dass es nicht die einzigen Transfers bleiben werden. Vielleicht wird’s dann ja was mit einem guten Abschneiden in der Europa League und gleichzeitigem Mitmischen um die Qualifikation zur Champions League 2015. Niedriger sollten die Saisonziele in Wolfsburg jedenfalls kaum sein.

Weit weniger personelle Möglichkeiten als die Niedersachsen hatte Borussia Mönchengladbach. In Anbetracht dessen kommt für mich persönlich zu kurz, wie geschickt und reibungslos Trainer Lucien Fravre mit seinem Personal rotierte. Auf der Linksverteidigerposition spielte mal Filip Daems, mal Oscar Wendt und mal Alvaro Dominguez. Tony Jantschke spielte mal rechts in der Viererkette, mal innen, mal im defensiven Mittelfeld. Den Rechtsverteidiger gaben neben Jantschke wahlweise Julian Korb, Christoph Kramer oder Havard Nordtveit.

Für die kommende Saison wurde mit Fabian Johnson ein typischer Allrounder nach Favres Gusto verpflichtet. Dazu kommen mit André Hahn und Ibrahima Traoré zwei neue Spieler für die offensiven Außenbahnen. Gladbach verliert die geniale Schusstechnik eines Juan Arango, gewinnt aber an Schnelligkeit und Laufstärke hinzu.

Ob das genügt, um im Europapokal erfolgreich zu sein und zugleich eine sorgenfreie Saison in der Bundesliga (möglicherweise sogar mit erneuter Qualifikation fürs internationale Geschäft) zu verleben, hängt von vielen Unwägbarkeiten ab – unter anderem der, ob und wie zügig Torhüter Yann Sommer die Umstellung auf die Bundesliga packt. Deshalb tut Sportdirektor Max Eberl gut daran, auch weiterhin die Etablierung in der oberen Tabellenhälfte als vorrangiges Ziel auszugeben.

Johnsons Verpflichtung lässt vermuten, dass Jantschke auch künftig eher für die Innenverteidigung eingeplant ist, aber bei aller Wertschätzung für Lucien Favre und die von ihm bevorzugten »polyvalenten« Spielertypen stünde Gladbach meiner Meinung nach ein echter Spezialist für die Innenverteidigung durchaus noch gut zu Gesicht – und wenn er Joel Mero heißt und aus der eigenen zweiten Mannschaft kommt. Schließlich werden Martin Stranzl und Roel Brouwers nicht jünger.

Gut wäre zudem, wenn in Sachen Luuk de Jong möglichst bald eine Entscheidung fiele. Persönlich würde es mich freuen, wenn der Niederländer in Gladbach noch eine Chance bekäme, denn erstens ist er beileibe nicht der altmodische Strafraumstürmer, als der er bisweilen dargestellt wurde, zweitens hätte Mönchengladbach in der abgelaufenen Spielzeit manches mal einen Zielspieler im Sturmzentrum gebrauchen können, der die Bälle gut festmacht und drittens kann es schon allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht angehen, dass erst in Abstimmung mit dem Trainer ein Rekordtransfer getätigt wird und der Spieler dann nach nur einem Jahr nicht mehr ins Konzept passt.

Beim FSV Mainz 05 wiederum hat es fast den Anschein, als habe er sich alle Mühe gegeben, das Rennen um die Europa-League-Plätze noch zu verlieren und der FC Augsburg habe ihm nicht den Gefallen getan, noch vorbei zu ziehen. Und nun wird die Bundesliga 2014/2015 womöglich von einer Mannschaft in der Europa League vertreten, die ein sattes Drittel ihrer Saisonspiele verloren und 54 Gegentore kassiert hat und eine Tordifferenz von -2 aufweist.

Obendrein geht mit Eric Maxim Choupo-Moting der mit zehn Treffern zweitbeste Torschütze nach Shinji Okazaki (15). Altgediente Spieler wie Christian Wetklo, Zdenek Pospech und Bo Svensson werden den Verein ebenfalls verlassen. Angesichts dieses Umbruchs hat sich Mainz 05 so gesehen also einen denkbar schlechten Zeitpunkt für eine Doppelbelastung ausgesucht.

Die größte Baustelle am Bruchweg war freilich der Trainerposten. Doch so schnell, wie sie sich auftat, so schnell wurde sie auch wieder geschlossen. Thomas Tuchel ging (und befindet sich nun erst einmal im Wartestand, ehe er einen neuen Verein übernahmen kann), Kasper Hjulmand kam. Die Ruhe, mit der die Dinge in Mainz geregelt werden, ist das große Plus des Klubs. Deshalb traue ich dem FSV auch durchaus die eine oder andere Überraschung zu. Aber wenn ich mich jetzt schon festlegen müsste, würde ich sagen: Schafft Mainz den Einzug in die Europa League, dann ist in der Bundesliga zunächst mal nur der Klassenerhalt gefragt.

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