Saisonrückblick von A bis Z

Was bleibt?

Die Saison 2012/2013 ist vorbei – Zeit für einen Rückblick. Was wird bleiben von der abgelaufenen Spielzeit?

Abschied: Es war die Saison der Abschiede. »Don Jupp« Heynckes beendet seine Karriere ebenso wie Kollege Sir Alex Ferguson und David Beckham. Zudem trennten sich die Wege von Werder Bremen und seinem Langzeittrainer Thomas Schaaf.

Bierdusche: Lange Zeit schien nichts wichtiger zu sein als die Frage, ob und wann es beim FC Bayern München eine Meisterfeier samt obligatorischer Bierdusche geben würde. FCB-Sponsor Paulaner dürfte sich sehr über die kostenlose PR gefreut haben.

Champions League: Erstmals standen zwei deutsche Mannschaften im Endspiel um die Champions League. Auf dem Weg dorthin schalteten sie Größen wie Ajax Amsterdam, Manchester City, Real Madrid, Arsenal London, Juventus Turin und den FC Barcelona aus und hatten anschließend doch noch die Kraft für ein flottes Finale. Allerdings: Wäre es kein so »historisches« deutsches Endspiel gewesen, würde man hierzulande wohl auch über drei nicht verhängte Platzverweise (gegen Dante, Ribéry und Lewandowski) reden.

Diabetes: Unterzuckerung war der Grund für den Autounfall des Hoffenheimers Boris Vukcevic am 28. September 2012. Danach rückte die Volkskrankheit Diabetes, mit der unter anderem auch Ex-Torwart Dimo Wache und Olympiasieger Matthias Steiner leben, kurzzeitig etwas mehr in den Fokus. Niemand indes suchte in dem Schock über Boris Vukcevics Unfall eine Ursache einen Grund für den Fast-Abstieg der TSG. Wieso eigentlich nicht?

Europa League: So gut das Abschneiden der deutschen Mannschaften in der Königsklasse auch war, so durchwachsen war es unterm Strich in der Europa League. Und weil sich die Bundesligisten samt und sonders ein Schneckenrennen ums internationale Geschäft geliefert haben, konnten mit Frankfurt und Freiburg zwei potenzielle Abstiegskandidaten (plus der Tabellenzwölfte VfB Stuttgart als Pokalfinalist) in die Europa League einziehen. Verdient zwar, aber es ist kaum zu erwarten, dass diese deutschen Vertreter in der kommenden Saison die ausländischen Stadien rocken werden.

Fremdstolz: Oft genug überkommt einen im Fußball das Fremdschämen, die vergangene Saison bot aber auch Anlass zu Fremdstolz. So ließ sich Bayer Leverkusen beispielsweise von der Kampagne gegen Sascha Lewandowski nicht beirren und zog sein Ding mit dem Trainerduo aus Lewandowski und Sami Hyypiä durch. Und Mats Hummels bescheinigte einer Reporterin vom ZDF: »Natürlich kann man das verteidigen. Ich seh’ da einfach schlecht aus!«

Gerücht: Das Gerücht der Saison kommt (eigentlich) von Twitter-User breitnigge. Dessen ironische Frage, ob denn das angebliche Bayern-Interesse an BVB-Stürmer Robert Lewandowski bereits von Sky Italia bestätigt worden sei, wurde rasch zur Tatsachenmeldung umgedeutet und scheint ironischerweise inzwischen von der Wirklichkeit eingeholt worden zu sein.

Heilsbringer: Zu Saisonbeginn waren das noch Javier Martinez, die Rekordverpflichtung vom FC Bayern München, sowie Rafael und Silvie van der Vaart, der Beckham-Verschnitt vom Hamburger SV. Doch dann verpflichtete Zweitligist VfL Bochum mit Peter Neururer den ultimativen Heilsbringer und hatte dank des Neutrainers vormaliger Kommentatorentätigkeit bei Sport 1 fortan garantiert positive Berichterstattung.

Investoren: Mangels anderer Themen wurde zwischenzeitlich mal der Konflikt zwischen Traditionsklubs und Werksvereinen groß gemacht. Doch während dabei munter auf den VfL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen und die TSG 1899 Hoffenheim geschimpft wurde, geht der TSV 1860 München trotz Investor und dessen massiver Einmischung in die Vereinspolitik weiter als »Arbeiterklub« durch …

Jobs: Ihre Jobs verloren haben in der abgelaufenen Saison die Trainer Felix Magath, Lorenz-Günther Köstner, Huub Stevens, Mike Büskens, Markus Babbel, Marco Kurz und Norbert Meier. In der Bundesliga wieder keinen bekommen haben Stefan Effenberg (obwohl schon nach Schalke geschrieben), Bernd Schuster (obwohl schon in Verhandlungen mit Wolfsburg) und Lothar Matthäus (obwohl überall gehandelt, ob nun Trainerposten frei oder nicht). Dank Ausstiegsklausel wechselte Dieter Hecking vom 1. FC Nürnberg nach Wolfsburg. Werder Bremen und Thomas Schaaf trennten sich einvernehmlich. Und der vor der Saison als Top-Kandidat auf die erste Entlassung gehandelte Markus Weinzierl vom FC Augsburg hat seinen Posten noch.

Konkurrenzfähigkeit: Zwei von drei Aufsteigern erwiesen sich als unterm Strich nicht konkurrenzfähig. Das verwundert vor allem mit Blick auf die Spielvereinigung Greuther Fürth mit ihrer gewachsenen Mannschaft, ihren stabilen Strukturen und der Kontinuität auf dem Trainerposten.

Lizenz: Alemannia Aachen und die Offenbacher Kickers (3. Liga) sowie der MSV Duisburg (2. Bundesliga) bekamen wegen Verstößen im Zulassungsverfahren Punkte abgezogen bzw. keine Lizenz für ihre jeweiligen Spielklassen.

Manager: Manager, Geschäftsführer, Sportdirektoren und Sportvorstände wechselten in der abgelaufenen Spielzeit auffallend oft den Posten. Den Anfang machte vor der Saison der FC Bayern München mit der Verpflichtung von Matthias Sammer (zu Lasten von Christian Nerlinger). Unter der Saison ging dann Klaus Allofs von Bremen nach Wolfsburg, woraufhin sich Werder mit Thomas Eichin neu aufstellte. In Hoffenheim begann man mit Markus Babbel als Trainer und Manager in Personalunion, holte sich dann mit Andreas Müller zwischenzeitlich doch einen zweiten Mann, nur um diesen dann später doch wieder zu entlassen. Beim FC Augsburg wurde Stefan Reuter Nachfolger von Jürgen Rollmann. In Hannover bat Jörg Schmadte um seine Freigabe und wurde von Dirk Dufner beerbt, den es seinerseits aus Freiburg wegzog. Bei Bayer Leverkusen geht Wolfgang Holzhäuser zum 30. September; sein Nachfolger wird Michael Schade. Zuletzt erlaubte sich der Hamburger SV trotz klammer Kassen die Trennung von Sportdirektor Frank Arnesen – ein Jahr vor dessen regulärem Vertragsende. Nachfolger des Dänen wurde Oliver Kreuzer vom Karlsruher SC, der wiederum den beim VfL Bochum entlassenen Jens Todt als neuen Manager präsentierte, während der Revierklub nun eine neue Chance für Christian Hochstädter bietet. Übrigens: Michael Preetz, in der Vorsaison noch vermeintlicher Hauptschuldiger am Abstieg von Hertha BSC Berlin, ist jetzt wieder der kluge und umsichtige Macher beim Hauptstadtklub. So schnell ändern sich die Zeiten.

Nützliche Idioten: Das geflügelte Wort der Saison dürfte von Matthias Sammer stammen, der sich als DFB-Sportdirektor in der Rolle eines »nützlichen Idioten« sah. Auch sein Nachfolger Robin Dutt wusste wohl nicht so recht, was seine Aufgaben in Frankfurt eigentlich sein sollten; jedenfalls nahm er mit Freuden das Angebot an, beim SV Werder Bremen wieder Trainer zu werden. Die Reputation des DFB als Arbeitgeber dürfte angeknackst sein.

Oase: Eine publik gewordene Selbstanzeige von Bayern-Präsident Uli Hoeneß machte aus einem Saubermann im Handumdrehen einen ordinären Steuerhinterzieher mit Schwarzgeld in der Fiskus-Oase Schweiz. In einem Lehrstück des Krisenmanagements, wie man es so manchem zurückgetretenen Politiker gewünscht hätte, überließ es Hoeneß im Anschluss wohlweislich seinem Sohn, ihn als möglicherweise kranken Menschen darzustellen, der für seine Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden kann. Glückwunsch zu solchen Medienberatern!

Pokal: Dynamo Dresden schaffte es, durch Fankrawalle so lange um Bestrafung zu betteln, bis der Verein endgültig von den nächsten Hauptrunde im DFB-Pokal ausgeschlossen wurde. (Un-)Reife Leistung!

Quereinsteiger: Mit Thomas Eichin verpflichtete der SV Werder Bremen einen ganz erfahrenen Manager und Sanierer – aus dem Eishockey. Noch wurde unter dem neuen »Geschäftsführer Sport« allerdings kein Spiel gewonnen …

Rückkehr: Eintracht Braunschweig spielt nach 28 Jahren wieder in der Bundesliga. Den Niedersachsen gelang im Schnelldurchgang der Aufstieg von der 3. Liga in die Eliteklasse, während Traditionsvereine wie der 1. FC Köln und der 1. FC Kaiserslautern das Nachsehen hatten. In Anbetracht dessen, dass Braunschweig wahrlich keine Übermannschaft stellte, nicht unbedingt ein gutes Zeugnis für die Zweite Liga insgesamt.

Sommerpause: Gab es nach der Saison eigentlich keine. Erst die Relegationsspiele, dann noch zwei wenig nötige Länderspiele, dann die U-21-Europameisterschaft, dann der Confederations Cup, dann die U-20-Weltmeisterschaft. Mittlerweile befinden wir uns – ganz ohne fußballfreie Zeit – wieder in der Phase der blödsinnigen Gaudi-Testspiele.

Triple: Mit dem FC Bayern München gewann zum ersten Mal eine deutsche Mannschaft das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Überraschung: Der SC Freiburg schaffte mit einer Mannschaft aus Eigengewächsen und Namenlosen (die noch dazu munter auf den verschiedensten Positionen spielten) den Einzug in die Europa League. Folge: Massive Abwerbung der Leistungsträger.

Versöhnung: Der Spielplan wollte es, dass der FC Bayern am letzten Spieltag nach Mönchengladbach reisen musste. In der Heimat von Jupp Heynckes bereiteten die VfL-Fans dem Borussen-Urgestein – obschon Trainer des Gegners – dann einen so warmen Empfang, dass sich Heynckes in der PK nach der Partie zu Tränen gerührt zeigte. Es war eine späte, aber nicht zu späte Versöhnung mit einem Sohn des Vereins, der vor sechs Jahren noch unter unwürdigen Umständen aus Gladbach geschieden war.

Werbung: Ich bin selten geneigt, den Spruch von der »Werbung für den deutschen Fußball« gelten zu lassen, aber was der FC Bayern und Borussia Dortmund in der Champions League gezeigt haben, dürfte tatsächlich beste Bundesliga-PR gewesen sein. Großen Anteil daran hatten die Fans mit ihrem tollen Auftreten – im Sieg wie in der Niederlage.

X+40: Erbärmliche 33 Punkte reichten dem FC Augsburg zum Klassenerhalt. Das ist ein Schnitt von 0,97 Punkten pro Spiel und bedeutet theoretisch, dass es genügen würde, sich in 34 Partien jeweils ein 0:0 zu ermauern, um nicht abzusteigen. 40 Punkte benötigt man zum Klassenerhalt? – Von wegen!

Zwanziger: Auch in der abgelaufenen Saison haben uns wieder zahlreiche Fußball-Promis mit literarischen Ergüssen beglückt. Neben den bereits erwähnten Peter Neururer und Lothar Matthäus auch Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff und der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger. Viel Raum nimmt dabei schon beinahe traditionell das Thema Saufen ein – bei Alkoholiker Uli Borowka immerhin ehrlich und nicht beschönigend.

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