Schiedsrichter Profi-Schiedsrichter

Das falsche Signal

Es ist Vorweihnachtszeit, insofern könnte man im Moment getrost »Alle Jahre wieder« anstimmen. Denn alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind sondern auch die Diskussion um den Profi-Schiedsrichter. Gegen den wehren sich die deutschen Unparteiischen völlig zu Recht. Denn neben den bekannten Argumenten, die gegen einen Profi-Schiedsrichter sprechen, zeigt auch die Aktualität um Babak Rafati, dass die Einführung des Unparteiischen im Hauptberuf das falsche Signal wäre.

Das Wort »Profi« leitet sich bekanntlich von »professionell« ab und bedeutet im Prinzip nichts anderes, als dass jemand etwas beruflich macht. Ein Fußballprofi ist also ein Berufsfußballer. Ein Berufsfußballer wiederum ist deshalb besser als ein Amateur- oder Freizeitfußballer, weil er schlicht mehr Zeit in seinen Sport investieren kann – er wird ja dafür bezahlt zu trainieren, zu üben, Kondition zu bolzen und Spielzüge einzustudieren. Sein Körper ist sein Kapital. Deshalb muss er ihn pflegen (lassen), sich gesund ernähren, bekommt Massagen, freien Zugang zu Fitnessgeräten und allerlei Wohltaten mehr, für die Otto Normalverbraucher nicht nur kein Geld bekommt sondern in der Regel sogar bezahlen muss.

Zu vergleichen ist das am ehesten noch mit dem Beruf des Models. Mit einem Arsch voll Geld für einen Personal Trainer und der beruflichen Pflicht, nach einer Geburt möglichst schnell wieder so mager zu werden, dass man zweimal hingucken muss, um sie einmal zu sehen, ist es für Heidi Klum und Konsorten natürlich möglich, stets »makellos« auszusehen. Was beim Fußballer der Masseur, der Physiotherapeut, der Konditionstrainer und der Videoauswerter, sind bei Models die Heerscharen an Visagisten, Frisören, Schneidern und Stylisten.

Auf das Schiedsrichterwesen nun lässt sich dies nicht übertragen. Gewiss müssen auch Schiedsrichter ausgebildet, geschult und körperlich wie geistig fit gemacht werden. Aber es wäre doch illusorisch zu glauben, durch irgendein reines Mehr an Geld, Mehr an Beschäftigung mit den Regeln, Mehr an Fitness oder was auch immer ließen sich Fehlentscheidungen abschaffen. Schiedsrichterentscheidungen sind nun mal in den weitaus meisten Fällen Interpretationssache und Interpretationen können falsch sein – beim Profi wie beim Amateur. Ein Unsicherheitsfaktor, eine Fehlerquote, die Möglichkeit eines Irrtums werden immer bleiben. Im übrigen: Überall dort, wo Regeln fix und linear gemacht wurden, wo es heißt, Vergehen X muss zwingend Bestrafung Y nach sich ziehen, wird das Fehlen des Ermessensspielraums für Schiedsrichter beklagt.

Überhaupt ist die Bezeichnung »Amateur« für die deutschen Schiedsrichter nicht angebracht, ja sogar fast eine Beleidigung, denn sie pfeifen ja nicht amateurhaft sondern professionell, auch wenn es nicht ihr Beruf ist. Und nebenbei bekommen sie für ihre Tätigkeit in den Profiligen auch hierzulande ein durchaus erkleckliches Sümmchen. Dafür interessiert sich ja gerade in mehreren Fällen das Finanzamt.

Nach den Ereignissen um Babak Rafati bin ich zudem einfach froh, dass es in Deutschland keine Berufsschiedsrichter gibt. Man stelle sich vor, ein Schiedsrichter, der den ständigen Anfeindungen, Pöbeleien, Schmähungen und Benotungen nicht mehr gewachsen ist (oder schlicht keinen Bock mehr hat auf diesen Mist), hätte nicht mehr die Möglichkeit, sich aus der Unparteiischentätigkeit zurückzuziehen. Das absichernde zweite Standbein des regulären Berufs kann in diesem Fall den Druck nehmen – ein nicht zu unterschätzender Faktor.

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Eine Antwort auf Schiedsrichter Profi-Schiedsrichter

  1. Thomas Bohlken sagt:

    Hallo,

    meinst du das ernst? Ich stelle mal ein paar Thesen in den Raum die mir dazu einfallen:

    - Ein Schiri wird nicht besser wenn er sich voll auf das Pfeifen konzentrieren kann? Er kann seinen Körper besser trainieren, an Schulungen teilnehmen, mit einem Psychiater die Begegnungen aufarbeiten und hat mehr Zeit sich auf einzelne Partien vorzubereiten.

    - Ein zweites Standbein zu haben sehe ich eher als Last als als Vorteil. Ähnlich wie bei Politikern. Wir fordern Höchstleistungen im Job, schließlich geht es um Millionen, aber das bitte als Amateur, nicht als Profi. “Was sollen die denn machen wenn sie mal nicht mehr in der Politik/am pfeifen sind??? Die finden d

    och niemals wieder einen Job.” Dieser Satz fällt immer wieder und er wird mit jeden Mal falscher. Warum sollte ein Schiri in seinen alten Beruf nicht zurück kehren können?

    Ich kann nichts erkennen was gegen einen Profi spricht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Bohlken

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