Transfermillionen und was sie bringen

Geld schießt eben (doch) keine Tore

Manchester City – die Millionentruppe von der Bauchtanzpuppe – ist sang- und klanglos aus der Champions-League ausgeschieden. Der FC Chelsea heuert, feuert, kauft und verkauft wie wild und hechelt dem großen Ziel, dem Titel in der Königsklasse, doch noch immer hinterher. Und auch in Deutschland ist das Gezeter um die vermeintliche Wettbewerbsverzerrung durch Klubs wie Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim längst verstummt.

Was hat man in Leverkusen nicht alles schon versucht, um sich dauerhaft in der Bundesliga-Spitzengruppe zu etablieren! Deutsche Talente im großen Stil unter Vertrag genommen und an andere Vereine verliehen, Brasilianer verpflichtet, Brasilianer eingedeutscht, den Kader in der Breite verstärkt, den Kader punktuell verstärkt, viel Geld ausgegeben, wenig Geld ausgegeben, einen großen Trainerstab, einen kleinen Trainerstab, alte Trainer, junge Trainer und, und, und.

Natürlich lässt sich das über das Gros der anderen Vereine auch sagen, aber genau das ist ja der springende Punkt: Leverkusen – die Werkself, die Pillendreher, die rheinischen Geldsäcke – ist letztlich nur ein ganz normaler Klub, immer ambitioniert, immer ein Kandidat fürs internationale Geschäft, aber auch nie vor Abstürzen gefeit. Aktuell steht Bayer nach der Hinrunde mit 26 Punkten da. So viele hatte auch Eintracht Frankfurt zur Winterpause 2010/2011.

Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass Felix Magath im Sommer auf seine wie üblich mannigfaltigen Transfers angesprochen wurde und erwiderte, mit dem Kader eines Abstiegskandidaten könne man eben nicht Meister werden. Die Nachfrage, ob das denn im Umkehrschluss bedeute, mit seiner neuen, aufgerüsteten Mannschaft wolle er Meister werden, wurde ihm leider wieder mal nicht gestellt. Ein Blick auf die Tabelle beantwortet sie ohnehin. Davon unbeirrt macht man beim VfL aber weiter wie bisher. Grönemeyer kommt einem in den Sinn: »Ich kauf, ich kauf – was ist egal …«

Anders liegt der Fall bei der TSG Hoffenheim 1899. Auch dort ist die Fluktuation zwar groß, aber das ist für die Anfangszeit in der Bundesliga von Beginn an einkalkuliert worden. Als die »Stinkreichgauer« 2007/2008 die zweite Bundesliga mit Spielern wie Demba Ba, Chinedu Obasi oder den beiden Brasilianern Luiz Gustavo und Carlos Eduardo – hinter denen spätestens nach der U-20-Weltmeisterschaft 2007 halb Europa her war – aufmischten, geschah dies unter der Maßgabe, dass sich die nicht ganz billigen Transfers mehr als nur amortisieren sollten. Bei Demba Ba ging die Rechnung nicht auf; die TSG machte minus. Carlos Eduardo aber brachte durch seinen Transfer zu Rubin Kazan eine Rendite von 13 Millionen, Luiz Gustavo gar eine von 16 Millionen. 22,2 Millionen Euro Transferüberschuss erwirtschaftete Hoffenheim in der Spielzeit 2010/2011 trotz teurer Verpflichtungen wie Ryan Babel, Gylfi Sigurdssson oder Sebastian Rudy.

Bloß schießt dieses Geld eben keine Tore. Kleiner Trost: In dieser Kategorie haben Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen zu Chelsea und Manchester City aufgeschlossen!

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