Uli Hoeneß wird zum zweiten mal Präsident des FC Bayern München

Uli Hoeneß: Strafe verbüßt und ab dafür

Uli Hoeneß hat angekündigt, wieder Präsident des FC Bayern München werden zu wollen. Es ist eine Meldung, von der nicht ganz klar ist, wurde sie nun medienwirksam in der Saure-Gurken-Zeit der Sommerpause lanciert oder sollte sie vielmehr zwischen Transferneuigkeiten und Olympischen Spielen unbemerkt durchschlüpfen? So oder so wird nun versucht, mit allerlei Umfragen ein Spalterthema daraus zu machen. Dabei ist die Sache eigentlich ganz klar: Uli Hoeneß hat seine Strafe verbüßt. Er hat seine Bürgerrechte und seine Geschäftsfähigkeit zurück. Und es ist allein Sache des FC Bayern München und seiner Mitglieder, ob sie Hoeneß wieder auf seinen alten Vereinsposten wählen oder nicht.

Weil das Netz nichts vergisst, wird in den letzten Tagen ganz munter jener Ausspruch von Uli Hoeneß über Christoph Daum geteilt, wonach Kriminelle im Fußball nichts zu suchen hätten. Diese süffisante Retourkutsche hat sich Hoeneß sicherlich redlich verdient und muss und wird sie aushalten.

Zwei Dinge werden dabei allerdings übersehen: Erstens die Frage, ob ein Drogenkonsument oder Drogenabhängiger tatsächlich zwangsläufig auch ein Krimineller ist. Deklinierte man das nämlich durch, würde es bedeuten, dass auch Heerscharen an Alkoholkranken kriminell sind und ins Gefängnis gehören statt in Therapien. Mit dieser These wiederum machte zuletzt die Alternative für Deutschland von sich Reden (und praktisch umgesetzt wurde diese Denke just in jener Zeit, die die AfD so gern als kleinen historischen Ausrutscher in der deutschen Geschichte geklittert sähe).

Es zeig sich also, dass krachlederne und undifferenzierte Aussagen nicht nur dazu angetan sind, irgendwann auf einen selbst zurückzufallen, sie können einen auch ungewollt in die Nähe von Personen rücken, mit denen man beim besten Willen nicht in einen Topf geworfen werden will.

Davon abgesehen wird jedoch vor allem übersehen, dass Hoeneß’ Sprücheklopferei keinerlei Auswirkungen hatte. Christoph Daum ist dem Fußball erhalten geblieben, seine heilsbringerischen Inthronisierungen als Kölner Trainer waren auch clean nicht minder abgefahren und er konnte dem FC Bayern noch manches mal in die Suppe spucken.

Insofern ist das muntere Klicken pro der kontra Hoeneß in den aktuellen Umfragen auch nichts anderes als eine Luftnummer, die ohne Auswirkungen bleiben wird. Denn es ist allein dem FC Bayern München überlassen, ob er (nach Franz Beckenbauer zum zweiten mal) einen »Steuersünder« zu seinem Präsidenten macht oder nicht.

Abseits des Gefühligen, so viel scheint mir sicher, wird Uli Hoeneß beim FC Bayern allrdings nicht benötigt. Sportlich wie wirtschaftlich war der Verein zuletzt auch ohne ihn erfolgreich, die Herren Guardiola und Sammer, mit denen Fans und Umfeld stets fremdelten, weil er eine zu distanziert war und der andere zu unglaubwürdig in seiner zur Schau getragenen angeblichen Identifikation mit dem Klub, sind so oder so weg. Karl Hopfner wird in seiner stillen Art und ob seiner Arbeit respektiert, beim Westfalen Karl-Heinz Rummenigge gibt es quasi einen Gewöhnungseffekt. Bleibt noch Uli Hoeneß als Streichler einer bayerischen Seele (und einer Journalistenschar), die sich nach Volksnähe sehnt.

Schon allein deshalb weiß ich nicht, ob ich Uli Hoeneß eine wirkliche Veränderung zutraue. Dazu war ihm der Applaus von den Stammtischen in der Vergangenheit letztlich immer zu wichtig. Ich denke, er wird er früher als später das tun, was Steuerhinterzieher von Reinhold Würth bis Alice Schwarzer gern tun: seine Tat als im Grunde genommen gerechtfertigt darstellen, sich als Opfer des Steuersystems gerieren und vor geneigtem Publikum mit seiner Gefängnisstrafe kokettieren wie das Nadelstreifen-Pendant zum taffen Rapper.

Allenfalls halte ich es noch für möglich, dass sich Hoeneß künftig öffentlich zurückhaltender gibt und das Poltern denen überlässt, die sich schon in der Vergangenheit eilfertig als sein Sprachrohr verstanden und ihn nach Kräften imitiert haben, etwa Jörg Althoff, Kai Traemann oder Waldemar Hartmann. Sollte Hoeneß selbst den Drang nicht haben oder ihm widerstehen, sich zu zeigen und beweisen zu wollen, dass es eben doch einen Unterschied macht, ob er beim FC Bayern München einen Posten hat oder nicht, ich bin mir ziemlich sicher, diese Herren übernehmen es für ihn.

Aber erstens kann es ja anders kommen, als ich denke, und zweitens bedeutet meine dezidierte Vorliebe für ruhige Menschen nicht, dass jeder so sein muss. Deshalb lasse ich mich einfach überraschen und werde Uli Hoeneß nehmen, wie immer er auch ist. Er selbst mag der Meinung (gewesen) sein, dass Kriminelle im Fußball nichts zu suchen haben. Ich bin der Meinung: Seine Strafe ist verbüßt und ab dafür.

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Eine Antwort auf Uli Hoeneß wird zum zweiten mal Präsident des FC Bayern München

  1. Rolf Mejias-Montalban sagt:

    Es steht uns nicht an, über Uli Hoeneß zu richten, wenn wir gleichzeitig bereit sind uns von korrupten Politikern regieren zu lassen, die zum einen Waffengeschäfte mit Staaten betreiben, die sie gleichzeitig aber an die Einhaltung von Menschenrechten erinnern. Uns von Politikern regieren zu lassen, die jährlich Milliarden an Volksvermögen fehlleiten, die auch bei wichtigen Entscheidungen im Parlament meinen, die ersten zwei Reihen im Bundestag zu besetzen würde als Interessensteilnehmer völlig ausreichen. Ab in die Aufsichtsräte, da gibt es mehr zu verdienen.
    Uli Hoeneß hat zu keinem Zeitpunkt sein Fehlverhalten bagatellisiert und heruntergespielt. Er hat sein Fehlverhalten mehrfach zugegeben, ja sogar von krankhafter Zockerei gesprochen. Er hat die unterschlagene Steuer zurückbezahlt, er hat die zusätzliche Strafe bezahlt, er hat mit Freiheitsentzug gezahlt. Wann hat ein Straffälliger eigentlich den Punkt erreicht, an dem es an unserer Gesellschaft liegt, ihm zu signalisieren, dass er wieder aufgenommen wird, dass wir seine Buße akzeptieren und ihn wieder als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft aufnehmen. Er hat sich nicht wie andere daran bereichert mit Drogenverkäufen Jugendliche abhängig zu machen, er hat niemanden im Straßenverkehr totgefahren (wofür es übrigens nur Bewährung gibt).
    Er hat Volksvermögen unterschlagen, was unsere Politiker jeden Tag betreiben.
    Sind wir schon so weit, dass wir Korruption, Kinderpornografie und illegale Waffenverkäufe unserer Volksvertreter aktzeptieren und bei durchaus sozial engagierten Personen wie Uli Hoeneß andere Maßstäbe setzen? Dazu bin ich nicht
    bereit und kann nur sagen: Ich freue mich total auf Uli Hoeneß.

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