WM-Qualifikation: Auch weiterhin mit den kleinen Verbänden!

Immer auf die Kleinen!

Anlässlich der WM-Qualifikationsspiels gegen die Färöer-Inseln wurde mal wieder versucht, die sogenannten »kleinen Fußballnationen« in eine eigene Ausscheidungsrunde zu quatschen, auf dass den »Großen« einige lästige Länderspiele erspart bleiben. Klar, weil so eine Reise nach Luxemburg oder Liechtenstein für deutsche Nationalspieler ja auch so eine Strapaze darstellt …

Ich werfe jetzt einfach mal ein paar Namen in die Runde: Almog Cohen (Israel, 58 Bundesligaspiele, 2 Tore für Nürnberg), Alexander Iashvili (Georgien, 32 Bundesligatore für Freiburg und Karlsruhe), Levan Kobiashvili (Georgien, 336 Bundesligaspiele, 31 Tore für Freiburg, Schalke und Hertha), Wynton Rufer (Neuseeland, 174 BL-Spiele, 59 Tore für Werder Bremen), Valdas Ivanauskas (Litauen, 91 Spiele, 13 Tore für HSV), Claudio Pizarro (Peru, bester ausländischer Bundesligatorschütze aller Zeiten).

Diese Spieler hat man nie bei einer EM oder WM gesehen. Auch die aktuellen Dortmunder Topverpflichtungen Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun) und Henrich Mchitarjan (Armenien) kommen vermutlich nie in diesen Genuss. Ein Schicksal, das sie mit so prominenten Namen wie George Best (Nordirland, 361 Spiele, 137 Tore für Manchester United), Dwight Yorke (Trinidad und Tobago, Champions-League-Sieger, englischer Meister und FA-Cup-Sieger), Tomer Hemed (Israel, 16 Tore in 59 Ligaspielen für RCD Mallorca), Yossi Benayoun (Israel, Sieger der UEFA Europa League mit dem FC Chelsea), Ryan Giggs (Wales, 13-maliger englischer Meister), Gareth Bale (Wales, teuerster Fußballer aller Zeiten) oder George Weah (Liberia, Weltfußballer 1995, französischer und englischer Meister und Pokalsieger) gemeinsam haben.

Und solche Stars sollen nun nicht nur bei den Endrunden der ganz großen Turniere außen vor sein sondern sogar schon in der Qualifikation? Ein Özil soll mit der deutschen Nationalmannschaft womöglich nicht auf einen Bale treffen können, dessentwegen er Real Madrid verlassen musste? Ein Mchitarjan nicht auf seinen Vereinskollegen Reus? Das wäre schade. Das wäre obendrein unfair. Denn auch die Spieler von Andorra, San Marino oder Malta wollen mal unter Wettbewerbsbedingungen gegen die »Großen« des Fußballs antreten dürfen; ihre Fans auch mal die Gelegenheit haben, die Stars des Sports hautnah zu erleben.

Niemand käme auf die Idee, die erste Hauptrunde des DFB-Pokals abzuschaffen. Im Gegenteil: Wenn Wilhelmshaven gegen Dortmund spielt oder Nöttingen gegen Schalke oder Rehden gegen Bayern München, dann ist das ein Happening, das mit viel Sympathie für die Außenseiter abgehalten wird, obwohl die Plätze und Spielstätten der Amateurvereine sicher oft in einem schlechteren Zustand sind als etwa das Nationalstadion der Färinger und obwohl es gegen nicht austrainierte Freizeitkicker sicher ebenso schnell (wenn nicht gar schneller) zu Verletzungen kommt wie in einem Länderspiel.

Wie beim Fernsehbeweis wäre außerdem die Frage, wer anhand welcher Kriterien wie entscheidet, was eine »kleine Fußballnation« ist und was nicht. Ranglisten taugen dazu wenig. In der aktuellen Weltrangliste der FIFA etwa ist Kolumbien Dritter, noch vor Italien oder Brasilien. Trotzdem ist Kolumbien wohl für die wenigsten ernsthaft die drittstärkste Mannschaft der Welt. Nein, die Ironie an der Geschichte ist: dass Mannschaften wie Frankreich (Ribéry und sonst ziemlich wenig) oder England (chronisch unter Nachwuchsmangel leidend, weil in der Liga seit Jahren vor allem Ausländer spielen) in der Qualifikation so gut dastehen, liegt auch an »Fußballzwergen« wie Moldawien, San Marino, Georgien und Weißrussland. Es ist kaum anzunehmen, dass die FA, die FFF (oder auch der DFB) angesichts dessen ein ernsthaftes Interesse daran hätten, diese potenziellen »Punktelieferanten« in einer Vorqualifikation auszusieben.

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2 Antworten auf WM-Qualifikation: Auch weiterhin mit den kleinen Verbänden!

  1. SCPBlogger sagt:

    Als ich anfing zu lesen, dachte ich auch sofort daran, dass man die erste Runde des DFB-Pokals auch nicht abschaffen würde. Ich sehe das genau wie du. Die Kleinen sollen ruhig dabei sein, auch wenn es in der Tat nervt, wenn man zwei Wochen auf das nächste “richtige” Fußballwochenende warten muss, weil Deutschland mal eben gegen zwei Fußballzwerge antreten muss. Dafür ist die Vorfreude umso größer, wenn es wieder losgeht. :D

  2. Mario Nowak sagt:

    Ja, mich nerven die Länderspielpausen in der Tat auch ziemlich, wobei ich dann aber eher auf wenig sinnige Testspiele (insbesondere zu Saisonbeginn oder nach dem Saisonende) verzichten würde. Ich finde, auch die “Kleinen” sind ein Wettbewerbsfaktor. Man sieht doch an den Ergebnissen klar, dass es gar nicht mehr so einfach ist, Mannschaften wie die Färöer mal eben auch “nur” mit 5:0 abzufideln. Außerdem wäre es doch Unsinn, wenn die Mannschaften mit den am wenigsten professionellen Bedingungen belastet und Vollprofis entlastet würden.

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